„Jetzt trinke deinen Thee!“ sagte die Mutter, „dann erzählt dir der Onkel vielleicht auch ein Märchen.“
„Ja, wenn man nur immer gleich ein neues wüßte!“ versetzte der alte Mann und nickte gutmütig. „Aber wo hat denn der Kleine die nassen Füße herbekommen?“ fragte er dann.
„Ja, wo er sie her hat,“ entgegnete die Mutter, „ist eben das Unbegreifliche!“
„Erzählen Sie mir ein Märchen?“ fragte der Knabe.
„Ja, wenn du mir genau angeben kannst, denn das muß ich zuerst wissen, wie tief der Rinnstein da drüben in der Gasse ist, in der deine Schule liegt?“
„Gerade bis mitten an die Schäfte,“ sagte der Knabe, „aber dann muß ich schon in das tiefe Loch treten!“
„Sieh, sieh! also da stammen die nassen Füße her!“ sagte der alte Mann. „Nun müßte ich freilich ein Märchen erzählen, aber ich weiß keines mehr.“ Die Mutter warf Fliederthee in die Kanne und goß siedendes Wasser darüber.
„Erzählen Sie, erzählen Sie!“ bat der Knabe.
„Ja, wenn ein Märchen von selbst kommen wollte, aber solch echtes ist gar vornehm, das kommt nur, wenn es Lust dazu hat — —! Doch halt!“ sagte er plötzlich. „Da haben wir eins! Gieb acht, jetzt ist eins dort in der Theekanne!“