Die erste Nacht mußte er sich auf einem Heuschober auf dem Felde schlafen legen, ein anderes Bett hatte er nicht. Aber das war recht hübsch, meinte er, der König könnte es nicht besser haben. Das ganze Feld mit dem Bache, der Heuschober und dann der blaue Himmel darüber, das war gewiß eine schöne Schlafkammer. Das grüne Gras mit den kleinen, roten und weißen Blumen war die Fußdecke, die Fliederbüsche und die wilden Rosenhecken waren Blumensträuße, und zum Waschbecken diente ihm der ganze Bach mit dem klaren, frischen Wasser, wo das Schilf sich neigte und ihm guten Abend und guten Morgen bot. Der Mond war wahrhaft eine große Nachtlampe, hoch oben unter der blauen Decke, und der zündete die Gardinen nicht an mit seinem Feuer, Johannes konnte ruhig schlafen, und er tat es auch und erwachte erst wieder, als die Sonne aufging und alle die kleinen Vögel rings umher sangen: „Guten Morgen! Guten Morgen! Bist du noch nicht auf?“
Die Glocken läuteten zur Kirche! es war Sonntag. Die Leute gingen hin, den Prediger zu hören, und Johannes folgte ihnen, sang einen Psalm und hörte Gottes Wort. Es war ihm, als wäre er in seiner eigenen Kirche, in der er getauft worden war, und wo er Psalmen mit seinem Vater gesungen hatte.
Draußen auf dem Kirchhofe waren viele Gräber und auf einigen wuchs hohes Gras. Da dachte er an seines Vaters Grab, welches am Ende auch so aussehen würde wie diese, da er es nicht jäten und schmücken konnte. Er setzte sich also nieder und riß das Gras ab, richtete die Holzkreuze auf, welche umgefallen waren und legte die Kränze, die der Wind vom Grabe fortgerissen hatte, wieder auf ihre Stelle, indem er dachte: vielleicht tut jemand dasselbe an meines Vaters Grabe, da ich es nicht tun kann!
Draußen vor der Kirchhofstüre stand ein alter Bettler und stützte sich auf seine Krücke. Johannes gab ihm die Silberschillinge, die er hatte, und ging dann glücklich und vergnügt weiter fort in die weite Welt hinein.
Gegen Abend war ein schrecklich böses Wetter, er sputete sich, unter Dach und Fach zu gelangen, aber es wurde bald finstere Nacht, da erreichte er endlich eine kleine Kirche, die einsam auf einem kleinen Hügel lag.
„Hier will ich mich in einen Winkel setzen!“ sagte er und ging hinein. „Ich bin ermüdet und habe es wohl nötig, ein wenig auszuruhen.“ Dann setzte er sich nieder, faltete seine Hände und betete sein Abendgebet, und ehe er es wußte, schlief und träumte er, während es draußen blitzte und donnerte.
Als er wieder erwachte, war es Mitternacht, das böse Wetter war vorübergezogen und der Mond schien durch die Fenster zu ihm herein. Mitten in der Kirche stand ein offener Sarg mit einem toten Manne darin, weil er noch nicht begraben war. Johannes war durchaus nicht furchtsam, denn er hatte ein gutes Gewissen, und er wußte wohl, daß die Toten niemandem etwas zuleide tun. Die Lebenden, die Übles tun, sind böse Menschen. Solche zwei lebende, schlimme Leute standen dicht bei dem toten Manne, der hier in der Kirche beigesetzt war, bevor er beerdigt wurde, ihm wollten sie Übles erweisen, ihn nicht in seinem Sarge liegen lassen, sondern ihn vor die Kirchtüre hinauswerfen, den armen, toten Mann!