Johannes küßte dem guten, alten König die Hand und sagte, es würde schon gehen, denn er sei entzückt von der schönen Prinzessin.
Da kam die Prinzessin selbst mit allen ihren Damen in den Schloßhof geritten, sie gingen deshalb zu ihr hinaus und sagten ihr guten Tag. Sie war wunderschön anzuschauen und reichte Johannes die Hand. Und er hielt noch viel mehr von ihr wie früher. Sie konnte sicher keine böse Hexe sein, wie alle Leute es ihr nachsagten. — Dann begaben sie sich in den Saal, und die kleinen Pagen präsentierten ihnen Eingemachtes und Pfeffernüsse. Aber der alte König war betrübt, er konnte nichts essen. Und die Pfeffernüsse waren ihm auch zu hart.
Es wurde bestimmt, daß Johannes am nächsten Morgen wieder nach dem Schlosse kommen sollte, dann würden die Richter und der ganze Rat versammelt sein und hören, wie es mit dem Raten gehe. Würde er gut dabei fahren, so sollte er dann noch zweimal kommen, aber es war noch nie jemand da gewesen, der das erstemal richtig geraten hätte, und dann mußte er das Leben verlieren.
Johannes war nicht bekümmert darum, wie es ihm ergehen würde. Er war vielmehr vergnügt, gedachte nur der schönen Prinzessin und glaubte sicher, der liebe Gott werde ihm schon helfen. Aber wie, dies wußte er nicht und wollte lieber nicht daran denken. Er tanzte auf der Landstraße dahin, als er nach dem Wirtshause zurückging, wo der Reisekamerad auf ihn wartete.
Johannes konnte nicht fertig damit werden, zu erzählen, wie artig die Prinzessin gegen ihn gewesen und wie schön sie sei. Er sehne sich schon sehr nach dem nächsten Tage, wo er in das Schloß sollte, um sein Glück im Raten zu versuchen.
Aber der Reisekamerad schüttelte den Kopf und war betrübt. „Ich bin dir so gut!“ sagte er. „Wir hätten noch lange beisammen sein können, und nun soll ich dich schon verlieren! Du armer, lieber Johannes! Ich möchte weinen, aber ich will am letzten Abende, den wir vielleicht beisammen sind, deine Freude nicht stören. Wir wollen lustig sein, recht lustig! Morgen, wenn du fort bist, kann ich ungestört weinen.“
Alle Leute drinnen in der Stadt hatten sogleich erfahren, daß ein neuer Freier der Prinzessin angekommen war, und deshalb herrschte große Betrübnis. Das Schauspielhaus blieb geschlossen, alle Kuchenfrauen banden Flor um ihre Zuckermänner, der König und die Priester lagen auf den Knien in den Kirchen. Es war große Betrübnis, denn es konnte Johannes ja nicht besser ergehen, als es allen übrigen Freiern ergangen war.
Gegen Abend bereitete der Reisekamerad eine große Bowle Punsch und sagte zu Johannes: „Nun wollen wir recht lustig sein und auf der Prinzessin Gesundheit trinken.“ Als aber Johannes zwei Gläser getrunken hatte, wurde er so schläfrig, daß es ihm unmöglich war, die Augen offen zu halten, er sank in tiefen Schlaf. Der Reisekamerad hob ihn sanft vom Stuhle und legte ihn in das Bett hinein, und als es dunkle Nacht wurde, nahm er die beiden großen Flügel, die er von dem Schwane abgehauen hatte, und band sie an seine Schultern fest. Die größte Rute, die er von der alten Frau erhalten, welche gefallen war und das Bein gebrochen hatte, steckte er in seine Tasche, öffnete das Fenster und flog so über die Stadt, nach dem Schlosse hin, wo er sich in einen Winkel unter das Fenster setzte, wo es in die Schlafstube der Prinzessin ging.
Es war still in der ganzen Stadt. Nun schlug die Uhr dreiviertel auf Zwölf, das Fenster ging auf und die Prinzessin flog in einem langen, weißen Mantel und mit schwarzen Flügeln über die Stadt weg hinaus zu einem großen Berge. Aber der Reisekamerad machte sich unsichtbar, so daß sie ihn nicht sehen konnte, flog hinterher und peitschte die Prinzessin mit seiner Rute, so daß Blut kam, wohin er schlug. Ach, das war eine Fahrt durch die Luft! Der Wind erfaßte ihren Mantel, der sich nach allen Seiten ausbreitete gleich einem großen Schiffssegel, und der Mond schien durch denselben.