„Aber das Buch, in dem ich dieses gelesen habe,“ sagte der Kaiser, „ist mir von dem großmächtigsten Kaiser von Japan gesandt, und es kann also keine Unwahrheit sein, ich will die Nachtigall hören! Sie muß heute abend hier sein! Sie hat meine höchste Gnade! Und kommt sie nicht, so soll dem ganzen Hofe auf den Leib getrampelt werden, wenn er Abendbrot gegessen hat!“

„Tsing pe!“ sagte der Kavalier und lief wieder alle Treppen auf und nieder, durch alle Säle und Gänge, und der halbe Hof lief mit, denn sie wollten nicht gern auf den Leib getrampelt sein. Da gab es ein Fragen nach der merkwürdigen Nachtigall, welche die ganze Welt kannte, nur niemand bei Hofe.

Endlich trafen sie ein armes, kleines Mädchen in der Küche. Die sagte: „O Gott, die Nachtigall kenne ich gut, ja, wie kann sie singen! Jeden Abend habe ich Erlaubnis, meiner armen, kranken Mutter Überbleibsel vom Tische nach Hause zu tragen; sie wohnt unten am Strand, und wenn ich zurückgehe, müde bin und im Walde ausruhe, dann höre ich die Nachtigall singen! Es kommen mir dabei die Tränen in die Augen, und es ist, als ob meine Mutter mich küßte!“

„Kleine Köchin!“ sagte der Kavalier, „ich werde dir eine Anstellung in der Küche und die Erlaubnis verschaffen, den Kaiser speisen zu sehen, wenn du uns zur Nachtigall führen kannst, denn sie ist zu heute abend angesagt.“

Und so zogen sie alle hinaus in den Wald, wo die Nachtigall zu singen pflegte, der halbe Hof war mit. Als sie im besten Zuge waren, fing eine Kuh zu brüllen an.

„Oh!“ sagten die Hofjunker, „nun haben wir sie! Das ist doch eine merkwürdige Kraft in einem so kleinen Tiere! Die habe ich sicher schon früher gehört!“

„Nein, das sind Kühe, welche so brüllen!“ sagte die kleine Köchin. „Wir sind noch weit von dem Orte entfernt!“

Nun quakten die Frösche im Sumpfe.

„Herrlich!“ sagte der chinesische Hofprediger. „Nun höre ich sie; es klingt gerade wie kleine Kirchenglocken.“