Aber die Prinzessin war ja noch eine Hexe und mochte Johannes gar nicht leiden. Das fiel dem Reisekameraden ein, und deshalb gab er Johannes drei Federn aus den Schwanenflügeln und eine kleine Flasche mit einigen Tropfen darin und sagte ihm dann, daß er ein großes Faß mit Wasser gefüllt vor das Bett der Prinzessin setzen lassen solle, und wenn die Prinzessin hineinsteigen wolle, sollte er ihr einen kleinen Stoß geben, so daß sie in das Wasser hinunterfalle, wo er sie dreimal untertauchen müsse, nachdem er vorher die Federn und die Tropfen hineingeschüttet habe, dann werde sie ihre Zauberei verlieren und ihn recht lieb haben.

Johannes tat alles, was der Reisekamerad ihm geraten hatte. Die Prinzessin schrie laut, als er sie unter das Wasser tauchte, und zappelte ihm unter den Händen wie ein großer, schwarzer Schwan mit funkelnden Augen. Als sie das zweitemal wieder über das Wasser herauf kam, war der Schwan weiß, bis auf einen schwarzen Ring um den Hals. Johannes betete fromm zu Gott und ließ das Wasser das drittemal über den Vogel zusammenschlagen, und in demselben Augenblick wurde dieser in die schönste Prinzessin verwandelt. Sie war noch schöner als zuvor und dankte ihm mit Tränen in ihren herrlichen Augen, daß er den Zauber von ihr gelöst habe.

Am nächsten Morgen kam der alte König mit seinem ganzen Hofstaate, da gab es ein Gratulieren bis spät in den Tag hinein. Zuletzt kam der Reisekamerad, er hatte seinen Stock in der Hand und das Ränzel auf dem Rücken. Johannes küßte ihn viele Mal und sagte, er dürfe nicht fortreisen, er solle bei ihm bleiben, denn er wäre ja die Ursache seines Glücks. Aber der Reisekamerad schüttelte mit dem Kopfe und sagte mild und freundlich: „Nein, nun ist meine Zeit um. Ich habe nur meine Schuld bezahlt. Erinnerst du dich des toten Mannes, dem die bösen Menschen Übles tun wollten? Du gabst alles, was du besaßest, damit er Ruhe in seinem Grabe haben konnte. Der Tote bin ich!“

In demselben Augenblicke war er verschwunden. —

Die Hochzeit währte nun einen ganzen Monat. Johannes und die Prinzessin liebten einander innig, und der alte König erlebte manche frohe Tage und ließ ihre kleinen Kinderchen auf seinen Knien reiten und mit seinem Zepter spielen. Aber Johannes wurde König über das ganze Land.

Das Märchenbuch

Eine Sammlung von Märchenbüchern
für Kinder und Erwachsene

Mit Zeichnungen der besten deutschen Maler

Herausgegeben von Bruno Cassirer