Ein Glück war, setzte Lina mit recht feiner Koketterie hinzu: daß uns Niemand behorchte, denn der Mensch hat die Gabe, einem so niedliche Schmeicheleien zu sagen, daß man wahrhaftig recht bescheiden seyn muß, um nicht ein Bischen sehr eitel zu werden.
Was sprach er denn von pechschwarz? fragte des reichen Rheders goldgelockte Tochter Alma, die in ihrem Quarree, dem Fenster zunächst gestanden hatte.
Was mußt Du für Oehrchen haben, erwiederte Lina mit sichtbarer Freude, von ihm länger reden zu können. Wir sprachen von den Mexikanerinnen; er lobte ihr schwarzes, seidenes Haar, aber solch pechrabenschwarzes, wie das meine, betheuerte er, in ganz Südamerika nicht gefunden zu haben; er bestand darauf, daß ich ihm eine Locke mitgeben sollte, — da kann der gute Freund aber lange warten.
Nun, und was war denn das mit dem stockfinster, fragte Alma weiter und die umstehenden Mädchen stießen sich heimlich mit den Elnbogen und ergötzten sich an des einfältigen Dinges ihnen längst bekanntem unerträglichem Dünkel; Hulda aber fühlte, wie die bitterste Galle sich auf die Frühlingssaat ihrer Liebe ergoß, und die frischen Keime alle, wie Mehlthau, vergiftete.
Nein, auch das hast Du gehört, sagte staunend Lina, und lachte: ei, das war nichts, als dummes verrücktes Zeug; ich lobte nämlich die Beleuchtung des Saals, und sagte, bei ihm, unterm Aequator könnte es in der Mittagsstunde nicht heller seyn; da meinte er aber, und legte die Hand sich auf das Herz, ihm sey alles stockfinster gewesen, bis ich in den Saal getreten; da habe ich ihm aber gut darauf gedient. Ich sage Euch, er kann einem Dinge weiß machen, man traut seinen eigenen Ohren nicht mehr. Aber liebste Alma, weiter hast Du doch nichts gehört?
Von bildschön war noch die Rede, versetzte diese, und wollte weiter reden, aber Linchen hielt ihr den kleinen Schelmenmund zu, und rief: nein das ist abscheulich von Dir; aber warte nur, ich will mich bei Dir auch einmal auf’s Horchen legen, und dann alles ausplaudern, ohne Schonung. Ich konnte ja nichts dafür, wenn Du Achtung gegeben hast, so wirst Du gesehen haben, wie er mir auf allen Schritten und Tritten nachging, und mich wie ein Schatten verfolgte, bis ich da, wo Du tanztest, an das Fenster kam; da konnte ich vor vier, fünf Herren, die dort standen, nicht weiter, und fing an zu sprechen, und —
Platz da, Platz da! erscholl es im Saale, und ein auf des Sturmwindes brausenden Flügeln heranwalzendes Paar schob Linchen, des Teufels Lügenkind, meuchlings auf die Seite, und sprengte das kleine, um sie versammelte Auditorium aus einander; Hulda wendete sich, sagte, im ganzen Gesicht kreideweiß und den zerreissendsten Krampf in der gequälten Brust, halb laut vor sich hin: das ist abscheulich! und stand vor Alonso, der sie zum Walzer aufforderte.
Was ist abscheulich, fragte Alonso freundlich, und wollte sich mit ihr in die Reihe der Tanzpaare stellen; sie aber wand sich aus seinem Arme, gab eine sie schnell anwandelnde Unpäßlichkeit vor, und eilte in das nächste Seitenzimmer.
Alonso folgte ihr, doch sie bat ihn, sie allein zu lassen, so dringend, daß er, in der Voraussetzung, weiblicher Hülfe zu bedürfen, zu Gustchen eilte, und diese ersuchte, ihr Beistand zu leisten.
Gustchen fand sie in Thränen; auf alle Fragen, was ihr fehle, erhielt die Bereitwillige keine Antwort, und als Gustchen erzählte, mit welcher Todesangst Alonso sie aufsuchte und wie ängstlich Händeringend er bat, ihr auf das Schleunigste beizuspringen, erwiederte sie schneidend kurz: nichts von ihm, ich bitte Dich, um Gotteswillen, nie wieder ein Wort von ihm; laß mir meinen Wagen holen, ich kann nicht bleiben.