Hulda ging willenlos, und ihrer selbst sich unbewußt, neben dem Bräutigam her, denn sie war in diesem Augenblick mehr in Neuspanien, als auf dem Balle; Alonso aber stand eine lange Weile noch, in lautloser Verzückung in dem Cabinet, faltete die Hände hoch in die Luft hinaus, und rief endlich, als hätte es ihm bis dahin an Athem gefehlt: Hulda! Dein! mit treuer Liebe bis zum Tode, Dein.
Hulda hatte unterdessen zur Francaise antreten müssen; aber mit dem Tanzen ging es heute platterdings nicht; sie machte nichts als lauter Unordnung im ganzen Quarree, denn er stand ja da in dem Fensterbogen des Saales, mit verschränkten Armen, und starrte bald nach ihr herüber, bald sah er durch die schwitzenden Scheiben hinauf zu den Sternen. Droben waren Vater und Mutter. Beide hatte er kaum recht gekannt, aber es war ihm, als müsse er heute mit ihnen sprechen, ihnen sein Glück erzählen, und Sie um ihren Segen bitten.
Ein bildschöner Abend, sagte Hafencapitains Lina, die schon lange die Gelegenheit abgepaßt hatte, mit dem crösusreichen Capitain, das Gespräch anzuknüpfen, näherte sich ihm mit einer leichten Verbeugung, warf das Auge in den flimmernden Sternenhimmel, streifte auf dem Rückwege auf die arme Erdenwelt, mit ihren Blicken an dem reizenden Fremdling vorüber, und drückte die dürre Brust aus dem kaffeegelben brabanter Kantenbesatz ihres heidnisch zusammengeschnürten Ballleibchens möglichst heraus.
Bildschön, bildschön! entgegnete er, noch in tiefen Gedanken, und beantwortete ihre entgegenkommende Verbeugung mit einem kurzen Bückling.
Bei Ihnen zu Hause, fuhr sie fort, und fand den jungen Piaster-Adonis, den sie bisher immer nur von ferne gesehen hatte, im Geheimen ganz unaussprechlich liebenswürdig: ist es dort jetzt Tag oder Nacht?
Stockfinster, stockfinster, antwortete Alonso, ohne zu wissen, was er sprach, denn er hatte in die Sterne am Himmel, und in die der Augen seines Engels drüben in der Francaise gesehen, und sie hatten ihm freundlich geleuchtet.
Des Hafencapitains eitles Töchterchen vermeinte, in seiner Kurzsylbigkeit ein stummes Zeichen seiner Huldigung zu finden; ihr Liebesreiz hatte den blöden Schäfer befangen gemacht, er hatte vor Entzücken die Sprache verloren; ich habe mir, hob sie, um das Gespräch weiter zu führen, und nach und nach die unsichtbaren Fesseln zu lösen, in die ihn ihr zartes Entgegenkommen geschlagen hatte, traulich an: ich habe mir dort alle Menschen schwarz gedacht; indessen —
Pechschwarz, pechschwarz! fiel er ihr in das Wort, und ging aus dem Fenster, als triebe ihn die Unleidliche von dannen; sie aber sah ihm zärtlich lächelnd nach; zehnmal wiederholte sie sich sein bildschön, stockfinster, und pechschwarz; mehr, als die drei Worte hatte sie von ihm nicht gehört; aber sie hallten in ihrem girrenden Taubenherzen wieder, als hätte sie ein Seraph zu ihr gesprochen.
Allen ihren Bekanntinnen erzählte sie, was der Mexikaner für ein ganz allerliebster Mensch sey; ihr guter Geist müsse ihr gerathen haben, die Francaise nicht mit zu tanzen; sie habe unterdessen eine Unterhaltung mit dem Manne gehabt, die ihr tausendmal lieber gewesen sey, als zehn Cottillons und alle Francaisen der Welt. Hulda, deren Tanz eben beendigt war, stand in der Nähe und hörte jedes Wort.