Der Admiralitätsrath kam von der Session, und lächelte freundlich, als Hulda ihm, wie gewöhnlich, Hut und Stock abnehmend, versicherte, daß es mit der Mutter recht leidlich gehe; sie hofft, setzte das Mädchen mit kindlicher Freude hinzu: heute wieder mit uns essen zu können; suche sie da nur möglichst aufzuheitern; sie bedarf dessen in ihrer jetzigen Stimmung mehr, als aller Arznei; ich habe alles Ersinnliche gethan, um sie ein wenig zu zerstreuen, und sie hat sich diesen Morgen viel besser befunden, als die ganze letzte Zeit über.

Der Vater küßte das holde Kind auf die Stirn, und ging mit bejahendem Kopfnicken, auf den Zehen, in das Krankenzimmer der Mutter.

Hulda ließ in diesem den kleinen Tisch nur mit drei Gedecken belegen und die Mutter nahm an demselben ihren Platz. Hulda faltete die Hände und sprach, nach des frommen Hauses alter Sitte, das Gebet zu dem, der seine Welt mit Liebe nähret, laut; in ihrem himmelwärts gehobenen Blick, in dem Tone ihrer Worte sah und hörte man die freudige Rührung, daß die geliebte Mutter sich auf dem Wege der Wiedergenesung, und seit vielen Monaten, heute zum ersten Male, in der Mitte des trauten Familienkreises befand.

Dem Vater trieb das Mädchen mit seiner einfachen, herzlichen Weise, Thränen in die Augen. Er reichte schweigend dem lieblichen Kinde, nach dem Gebete, die Hand, und zog die Rechte der Gattinn an seine Lippen. Diese aber ließ die stille Feier ihres Genesungfestes unerwiedert, tadelte das Essen, und warf der armen Hulda, die sich in sorglicher Auswahl des Beßten erschöpft hatte, Mangel an Aufmerksamkeit vor; sie würde, die ganze Tischzeit über, diesen Mißton festgehalten haben, wenn nicht der Vater, der Bitte des Mädchens eingedenk, die finstern Grillen der Leidenden immer abzulenken verstanden und, zu ihrer Aufheiterung, das Gespräch auf allerlei Gegenstände geleitet hätte. Die frohe Laune und die Gemüthlichkeit ohnehin selbst, ward ihm diese Aufgabe nicht schwer, zumal heute, wo ihm, wie Hulda schon bei der zweiten Schüssel bemerkt hatte, beständig ein leichtes Lächeln um die Lippen schwebte; wie sie den Vater kannte, mußte ihm auf jedem Fall etwas komisches begegnet seyn, was sein Inneres noch angenehm beschäftigte, und als sie ihm, da er wieder einmal vor sich heimlich lächelte, ihre Vermuthung mittheilte, meinte er, daß sie nicht unrecht habe.

Er erzählte jetzt, daß schon seit länger denn vierzehn Tagen, ihm, allemal, wenn er Mittags aus der Session komme, ein junger Mensch, auf einer und derselben Stelle, unweit der Hauptwache, begegne; Beiden sey das aufgefallen, sie hätten bisher allemal, jeder für seine Rechnung, ein wenig gelacht und heute habe der junge Mensch höflich den Hut gezogen, und höchst freundlich gegrüßt, er, der Vater aber, mitten im Gegenkomplimente, über das Spaßhafte des täglichen Zusammentreffens, sich nicht enthalten können, laut aufzulachen. Ich sehe uns, setzte er scherzend hinzu, wenn das lange so fort geht, noch am Ende die dicksten Freunde werden.

Diese Worte, so unbedeutend sie jetzt klangen, so gewichtig, so eisenschwer wurden sie in der Folge. Manches Wort mag so in den Kreisen der Menschen, kaum gehört, verhallen, was ihnen der Schlüssel zu den Geheimnissen ihrer ganzen Zukunft seyn könnte. Wohl uns, daß es so ist.

Du bist morgen, fuhr er, zu Hulda gewendet, fort: bei Linsings auf dem Balle. Der Alte kennt die ganze Stadt; gewiß weiß der, wer der junge Mann ist; frag’ ihn doch; der Mensch kann vier- fünfundzwanzig höchstens alt seyn, und das kaum. —

Hulda legte, mit komischer Naivität, den Zeigefinger der Rechten, an das Daumen-Spitzchen der linken Hand, als wolle sie die beschriebenen Eigenschaften des Fraglichen, an den Fingern abzählen, —

Hat einen recht hübschen, braunen Lockenkopf —

Hulda war beim Zeigefinger der linken Hand —