»Wer dort?« Wer sind diese Leute, die vor dem Richterstuhl des Zensors als Angeklagte zu stehen pflegten, und was waren ihre Verbrechen? Diese Frage soll mein Büchlein beantworten. Die »gute, alte Zeit« hängt es in farbenlustigen Miniaturbildern und ernsthaft-schwarzen Schattenrissen an die Wand. Da purzelt höfische und militärische, politische, religiöse und moralische Zensur nur so übereinander. Ehrlichen Gewissenskonflikt höhnt herausfordernder Übermut, das Recht des Staates, der Allgemeinheit, und das der Persönlichkeit übertrumpfen einander in Gewalttaten oder diplomatischen Listen, stolze Gelassenheit triumphiert über stichflammende Leidenschaft, und diese Hahnenkämpfe auf Leben und Tod werden anmutig unterbrochen durch kurieuse Begebenheiten, groteske Saltomortales und unfreiwillige Humore verblüffendster Art. Zuletzt kommt dann immer das große Messer und befördert alle die geschwollenen Kämme in den großen Kochtopf der Geschichte.
Vielleicht daß ein Blick in das, was gestern war, uns stärkt, im Heute durchzuhalten. Daher der Untertitel meines Buches: »Antworten von gestern auf Fragen von heute.«
Prof. Dr. H. H. Houben.
Leipzig,
zu Anfang des fünften Weltkriegsjahres.
Inhalt.
| Seite | ||
| 1. | Friedrichs des Großen königliche Freiheit | [5] |
| 2. | Kaiser Josephs II. Zensurreform | [30] |
| 3. | Des gottseligen Herrn Ministers von WöllnerBlumen-, Frucht- und Dornenstücke | [47] |
| 4. | An der Wiege des Theaterzensors | [84] |
| 5. | Die Furcht vor der Revolution | [101] |
| 6. | Der Kampf gegen die Klassiker | [118] |
| 7. | Kleine Kulissengeheimnisse der Theaterzensur | [135] |
| 8. | Im Banne Napoleons | [143] |
| 9. | Ein Opfer der Zensur | [165] |
| 10. | Bürokratie und Militarismus | [178] |
| Nachweis der wichtigsten Quellenschriften | [208] | |