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GRÖSSERES BILD]

Verzeichnis der Abbildungen.

Abb. Seite
Anton van Dyck ([Titelbild]).
 1. Jugendliches Selbstbildnis des Meisters [2]
 2. Reiterbild Karls V. [3]
 3. Der heilige Sebastian [7]
 4. Die Dornenkrönung [9]
 5. Ein Senator von Genua [10]
 6. Die Gemahlin des Senators [11]
 7. Abbildung eines italienischen Edelmannes [12]
 8. Bildnis eines jungen Mannes [13]
 9. Genofeva von Urfé, Herzogin von Croy [14]
10. Karl Alexander, Herzog von Croy [15]
11. Tanzende Engel [16]
12. Christus am Kreuze [17]
13. Bildnis eines Unbekannten [18]
14. Beweinung Christi [19]
15. Sogenannter Bürgermeister von Antwerpen [20]
16. Sogenannte Bürgermeisterin von Antwerpen [21]
17. Wolfgang Wilhelm von der Pfalz-Neuburg, Herzog von Jülich und Berg [22]
18. Beweinung Christi [23]
19. Beweinung Christi [25]
20. Der Leichnam Christi von Engeln beweint [26]
21. Maria, Jesus und Johannes [27]
22. Ruhe auf der Flucht nach Ägypten [29]
23. Der Maler Jan de Waal und seine Frau [30]
24. Christus und der geheilte Gichtbrüchige [32]
25. Susanna im Bade [33]
26. Der Bildhauer Andreas Colyns de Nole [35]
27. Der Kupferstecher Karl de Mallery [36]
28. Der heilige Sebastian [37]
29. Danae [39]
30. Der Organist Heinrich Liberti [41]
31. Der Maler Fr. Snyders und seine Frau [43]
32. Diana und Endymion, von einem Satyr überrascht [45]
33. Bildnis eines älteren Herrn [46]
34. Simson und Delila [47]
35. Der Maler Kaspar de Crayer [50]
36. Maria Luisa de Tassis [51]
37. Bildnis einer jungen Dame [53]
38. Bildnis eines älteren Herrn [54]
39. Bildnis einer älteren Dame [55]
40. Wallenstein [56]
41. Gustav Adolf von Schweden [57]
42. Van Dycks Selbstporträt mit der Sonnenblume [58]
43. König Karl I. von England [59]
44. Henriette Marie, Königin von England [61]
45. Anton van Dyck und Sir Endymion Porter [63]
46. Der Kardinal-Infant Don Ferdinand von Österreich [64]
47. Allegorisches Bild der Lady Venetia Digby [65]
48. Beweinung Christi [67]
49. Christus am Kreuz [69]
50. Die Anbetung der Hirten [70]
51. König Karl I. von England [71]
52. König Karl I. von England und sein Stallmeister Sir Thomas Morton [74]
53. Die Kinder Karls I. von England: Prinzessin Maria, Prinz Jakob, Prinz Karl, Prinzessin Elisabeth und Prinzessin Anna [75]
54. Die Kinder Karls I. von England: Karl, Prinz von Wales; Jakob, Herzog von York; Prinzessin Maria [77]
55. Lady Diana Cecil, Gräfin von Oxford [78]
56. Beatrix von Cusance, Prinzessin von Cantecroix [79]
57. Charles Cavendish [80]
58. Lords John und Bernard Stuart [81]
59. Englische Wappenherolde [84]
60. Maria Ruthven, die Gattin des Meisters [85]

Anton van Dyck.

Unter den zahlreichen Nachfolgern und Schülern des Rubens hat keiner so festgegründetes Anrecht auf bleibenden Ruhm erworben wie Anton van Dyck: kein von mächtigem Schöpfergeist getragener Künstler gleich seinem großen Meister, aber auf dem begrenzten Gebiet der Bildnisdarstellung einer der größten Maler aller Zeiten. Anton van Dyck erblickte das Licht der Welt zu Antwerpen am 22. März 1599. Sein Vater Franz van Dyck war ein begüterter Kaufmann. Nach der Überlieferung der alten Biographen wäre derselbe mit seiner Ehefrau Maria Cuypers oder Kupers aus Herzogenbusch nach Antwerpen gekommen. Doch entbehrt diese angebliche Einwanderung aus Holland jeder Beglaubigung. Vielmehr war schon der Großvater als Kaufmann in Antwerpen ansässig, und es ist anzunehmen, daß die stolze vlämische Handelsstadt die alte Heimat des Geschlechts war. Der Name van Dyck kommt im Laufe des XVI. Jahrhunderts mehrmals in den Verzeichnissen der St. Lukas-Gilde vor; ein Familienzusammenhang dieser vergessenen Maler mit demjenigen, der den Namen berühmt machte, hat sich indessen nicht nachweisen lassen. Eine unverbürgte Nachricht meldet, daß Franz van Dyck Glasmaler gewesen sei, bevor er zum Kaufmannsstande überging. Von Maria Cuypers wird erzählt, daß sie eine große Kunstfertigkeit im Sticken besaß. Eine umfangreiche Stickerei, an welcher sie bis kurz vor der Geburt Antons — des siebenten in einer Reihe von zwölf Geschwistern — arbeitete, wird besonders namhaft gemacht; die Geschichte der biblischen Susanna war darin, von schönem Rankenwerk umgeben, dargestellt. Frau Maria starb nach der Geburt ihres zwölften Kindes am 17. April 1607. Sie mag in Anton schon frühzeitig den Erben ihrer künstlerischen Veranlagung erkannt haben, und gern nehmen wir an, daß sie es war, die in ihm den keimenden Kunsttrieb pflegte und entwickelte. Man findet in der künstlerischen Eigenart van Dycks sein ganzes Leben hindurch etwas von weiblicher Empfindungsweise; das ist sein Besonderes, dasjenige, wodurch er sich am augenfälligsten von dem stark männlichen Rubens unterscheidet. Von seinen Geschwistern widmeten sich mehrere einem zurückgezogenen geistlichen Leben. Bei ihm scheint hinsichtlich der Berufswahl schon im Kindesalter kein Zweifel bestanden zu haben. Bereits im Jahre 1609 wurde Anton van Dyck in das Namensverzeichnis der St. Lukas-Gilde eingetragen, und zwar als Schüler des Heinrich van Balen. Bereits am 11. Februar 1618 wurde Anton van Dyck als Freimeister in die Gilde aufgenommen. Die früh erreichte Meisterschaft verdankte er nicht allein dem Unterricht des wackeren van Balen, sondern in höherem Maße seiner Tätigkeit in der Werkstatt des Rubens, in die er nach einigen Jahren der Unterweisung durch jenen älteren Meister aufgenommen wurde. Um dieser Vergünstigung, nach welcher damals viele vergeblich strebten, teilhaftig zu werden, muß der noch sehr junge angehende Maler schon bedeutende Proben seiner Begabung abgelegt haben. Auch nach erreichtem Meisterrecht verblieb Anton van Dyck noch zwei Jahre lang in dem Schülerverhältnis zu Rubens. Es war die Zeit, wo der große Antwerpener Meister auch nicht annähernd mehr imstande war, die Flut von Bestellungen, die auf ihn eindrang, durch eigenhändige Arbeit zu bewältigen, so daß er die Mithilfe seiner auserlesenen Schüler in reichstem Maße in Anspruch nahm. Zunächst mußte van Dyck in Rubens’ Werkstatt sich üben an der Nachbildung von Werken großer italienischer Maler, welche die Sammlung seines Lehrers zierten. Derartige Nachbildungen waren aber keineswegs getreue Kopien, es waren vielmehr freie Bearbeitungen der gegebenen Vorbilder, sozusagen Übersetzungen derselben in die Formensprache der eigenen Zeit. Ein Belegstück hierfür ist van Dycks Reiterbild Karls V., welches sich in der Uffiziengalerie zu Florenz befindet, und welches zweifellos ein und dasselbe ist mit einem als „Kaiser Karl V. nach Tizian“ bezeichneten Gemälde van Dycks, das im Verzeichnis des Rubensschen Nachlasses namhaft gemacht wird: beim ersten Anblick dieses Gemäldes möchte man eher an ein Urbild von Rubens als an ein solches von Tizian denken ([Abb. 2]). Aus der Lehrzeit bei van Balen brachte der junge van Dyck eine besondere Geschicklichkeit, in kleinem Maßstabe grau in grau zu malen, mit. Darum betraute Rubens ihn gern mit der ehrenvollen Aufgabe, nach seinen großen Gemälden die Vorlagen für deren Kupferstichnachbildung anzufertigen. Aber die Haupttätigkeit van Dycks während seiner Ausbildungszeit bei Rubens bestand darin, daß er die Entwürfe des Meisters im großen auf die Leinwand übertrug und bald mehr, bald weniger ausführte, so daß für Rubens selbst zur Vollendung des Bildes nur eine geringere oder stärkere Überarbeitung — unter Umständen auch wohl gar nichts — zu tun übrigblieb. Wir wissen, daß Rubens den Käufern seiner Bilder gegenüber die Mitwirkung der Schüler an denselben gewissenhaft angab und je nach dem Maß dieser Mitwirkung den Preis niedriger ansetzte. Wenn Rubens in einem Brief an Sir Dudley Carleton (vom 28. April 1618) ein Bild, welches den Achilles unter den Töchtern des Lykomedes vorstellte, als von seinem besten Schüler gemalt bezeichnet, so nehmen wir gern an, daß mit diesem besten Schüler van Dyck gemeint sei. Aus der Art und Weise, wie Rubens von diesem Bilde spricht, möchte man fast schließen, daß auch der Entwurf desselben von dem Schüler und nur die letzte Übermalung von dem Meister herrührte. Auf solche Weise wird es wohl begreiflich, daß es aus der Zeit gegen das Jahr 1620 eine ganze Anzahl von Bildern gibt, bei denen es völlig zweifelhaft bleibt, ob sie mit mehr Recht dem Rubens oder dem van Dyck zuzuschreiben sind. In seinen großen Kompositionen kirchlichen und weltlichen Inhalts zeigt sich van Dyck zeitlebens als in der Erfindung von Rubens abhängig. Nicht als ob man ihn schlechtweg als dessen Nachahmer bezeichnen dürfte; aber fast alle seine derartigen Werke erinnern an inhaltsgleiche oder verwandte Schöpfungen des großen Meisters. Nur fehlt ihnen dessen ursprüngliche Kraft und blendende Farbenpracht; es tritt vielmehr eine Neigung zu weicheren Stimmungen, sowohl in der Empfindung wie in der Farbe, zu Tage.

Abb. 1. Jugendliches Selbstbildnis des Meisters. In der königl. Pinakothek zu München.
Nach einer Originalphotographie von Franz Hanfstaengl in München. (Zu [Seite 5].)