Eine in die Tracht der Vergangenheit gekleidete köstliche Komposition ist in einer 1879 für ein Album ausgeführten Tuschmalerei niedergelegt. Ein Lebemann, dessen Kleidung die eines Kavaliers aus der Zeit des Großen Kurfürsten ist, hat sich in der Schenke an Austern gütlich gethan; behaglich lehnt er sich zurück, und mit den Fingern vor dem geleerten Weinglas auf den Tisch trommelnd ruft er dem Wirte zu: „Noch eins!“ [(Abb. 98.)]

Abb. 114. Italienische Studie (Bleistift) von 1884. Im Besitz der Verlagshandlung R. Wagner in Berlin.

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GRÖSSERES BILD]

Eine Abschrift aus der Wirklichkeit der Gegenwart bringt dagegen ein jetzt in der Nationalgalerie befindliches Deckfarbenbild, welches einen Blick in eine Schmiede zu Hof-Gastein gibt. In dem malerischen Dunkel des rußgeschwärzten Raumes stehen nur zwei größere Helligkeiten: ein erblindetes Fenster unter dem Dach und der mit dem Hemde bekleidete Oberkörper des nach vorn auf den Amboß zuschreitenden Schmiedes [(Abb. 99)].

Abb. 115. Causerie. Deckfarbengemälde von 1884. In Privatbesitz in Köln.

(Photographieverlag von Gustav Schauer in Berlin.)

Den in Gastein gesammelten Studien und Eindrücken verdanken die Hauptwerke der beiden folgenden Jahre ihre Entstehung. Von 1880 ist ein figurenreiches Ölbild, welches eine Prozession in Hof-Gastein darstellt. Der fromme Zug biegt, aus einer engen Straße kommend, eben um die Ecke eines Hauses. Der Geistliche mit der Monstranz schreitet unter einem von vier Männern getragenen Baldachin; Chorknaben, Träger von Lichtern und Fahnen gehen voran, auf den Eingang des die Kirche umgebenden Kirchhofs zu; es folgt eine lange Schar von Landvolk in Feierkleidung. Vorn sind Zuschauer, der Mehrzahl nach Fremde, Städter; einige wenige, die der Prozession ihre Ehrfurcht bezeugen, andere schaulustig und die meisten gleichgültig. Von 1881 ein gleichfalls in Ölfarbe ausgeführtes Innenbild aus der Schmiede zu Gastein [(Abb. 100)]. Der Schmied — es scheint die nämliche Persönlichkeit zu sein, die man auf dem Wasserfarbenbild von 1879 sieht — ist an einem großen Wetzrad damit beschäftigt, der lebhaften Nachfrage nach dem Schärfen alter Klingen Genüge zu thun; im Vordergrund prüft eine Magd die Schneide des Hackmessers, das sie eben in Empfang genommen hat, und ein starkknochiger Alpenbewohner sieht mit Geduld und Ruhe, den Bergstock in der Hand und die Pfeife im Munde, dem Schleifen seines langen Messers zu. Im Mittelgrunde sind Gesell und Lehrling am Amboß thätig, und draußen vor der Thür sieht man einen Schimmel des Beschlagens harren. Das Ganze wieder ein lebensvolles Stück Wirklichkeit, ebenso treffend in jeder Einzelheit gekennzeichnet, wie die Wiederspiegelungen der Hofbälle. Daran reiht sich als ein ebenbürtiges Wasserfarbenbild ein Blick in die Pfarrkirche zu Innsbruck während der Predigt. — Die Barockarchitektur, wie sie in einer solchen Kirche sich entfaltet, übte einen nie aufhörenden Reiz auf Menzels Auge aus, und manches, was er nicht malte, wurde in bloßer Zeichnung, die keinen anderen Zweck hatte als den, solchem Reiz Genüge zu thun, zum abgeschlossenen Kunstwerk; so ein Stück aus der großen Wallfahrtskirche zu Einsiedeln, das er 1881 aufnahm, und als Früchte eines Aufenthalts in Dresden im vorhergegangenen Jahre eine Ansicht der dortigen katholischen Kirche von außen und ein groß gezeichnetes Stück von einer Ecke des Zwingers. — Zu den Werken des Jahres 1880 gehört noch der in Ölmalerei prächtig ausgeführte lebensgroße Kopf eines Rabbiners. Zu den von 1881 ein feines Wasserfarbenbildchen, welches eine Dame in der Tracht von 1670–1680 darstellt, die, im Begriff sich an das Spinett zu setzen, in ihrem Notenheft liest [(Abb. 102)].