Abb. 116. Kontribution. Deckfarbengemälde von 1885. In Privatbesitz in Berlin.

(Photographieverlag von Gustav Schauer in Berlin.)

Eine Aufgabe besonderer Art brachte dem Meister das Jahr 1882. Da malte er die Vorlagen für den Schmuck des Tafelgeschirrs, welches die königliche Porzellanmanufaktur zu der im folgenden Jahre stattfindenden silbernen Hochzeit des Kronprinzenpaares anfertigte. Mit Geschmack und munterer Laune entwarf er im Anschluß an die besondere Bestimmung einer jeden Schüssel farbenfrohe Bildchen von Putten, Blumen, Tieren und Früchten.

Abb. 117. Altarausschmückung. Deckfarbengemälde von 1885. In Privatbesitz in Berlin.

(Photographieverlag von Gustav Schauer in Berlin.)

Bei seiner sommerlichen Erholungsreise im Jahre 1881 verweilte Menzel ein paar Tage in Verona, wohin er auch das Jahr zuvor einen kurzen Ausflug gemacht hatte. Was ihn nach der italienischen Stadt wieder hinzog, war das bunte lärmende Volksleben, das gerade hier seine nationale Eigenart und unverfälschte Natürlichkeit so treu bewahrt hat. Wie treffend er diese Eigenart erfaßte, bekunden schon die ersten Studienzeichnungen, die er von dort heimbrachte [(s. Abb. 103)]. Das wogende Getriebe auf dem Gemüsemarkt von Verona, das den vom Norden kommenden Wanderer so fremdartig und betäubend umfängt, setzte sich als Bildgedanke in seinem Kopfe fest.

Abb. 118. Studie (Bleistift) aus Interlaken, von 1885. Im Besitz der Kunsthandlung Fritz Gurlitt in Berlin.

Mit der Jahreszahl 1883 sind mehrere zu dem „Kinder-Album“ gehörige Blätter bezeichnet. Diese Sammlung kostbarster Wasserfarbenbildchen schloß Menzel in diesem Jahre ab. Manches ältere Blatt unterzog er dabei einer Überarbeitung. Das Ganze war zu einer Reihe von 43 Bildern angewachsen, die nachmals sämtlich in den Besitz der Nationalgalerie übergegangen sind. Es befinden sich Werke darunter, die neben allen anderen Eigenschaften einen wunderbaren Farbenreiz besitzen, der sie in die Vorderreihe der glücklichsten malerischen Schöpfungen Menzels stellt. Da ist vielleicht an erster Stelle ein Bild vom Hühnerhof zu nennen, wo eine Truthenne mit ihren dunklen Farben sich von der breiten Lichtmasse abhebt, die durch einen weißen Pfau und einen gelben Cochinchinahahn gebildet wird [(Abb. 104)]. Oder die beiden als Gegenstücke gedachten Papageienbilder, von denen das eine die „süße Freiheit“ eines blauen Ara, der im Baumwipfel sitzt, das andere die „versüßte Knechtschaft“ eines Kakadu schildert, der unter den Liebkosungen einer feinen Damenhand seinem Behagen durch Aufblähen der Federn und possierliche Verdrehungen Ausdruck gibt; hier klingen das Weiß und Schwefelgelb des Gefieders, der zarte Fleischton, die Metalltöne des goldenen Armbandes und der Messingstäbe und Kette, das Grün von Blattpflanzen und die prächtigen Farben eines Teppichs zu einer bezaubernden Melodie zusammen [(Abb. 105)].