Abb. 37. Der Tod des Konsuls Decius Mus; Teppich-Entwurf. In der fürstlich
Liechtensteinschen Bildergalerie zu Wien. (Nach einer Aufnahme von Ad. Braun & Co.,
Clément & Cie. Nchfl., in Dornach i. Els. und Paris.)
Abb. 38. Der Engel des Herrn schlägt Sennacheribs Heer. Federzeichnung in
der Albertina zu Wien. (Nach einer Aufnahme von Ad. Braun & Co., Braun, Clément & Cie. Nchfl.,
in Dornach i. Els. und Paris.)
Während der Meister, wie aus dem angeführten Verzeichnis hervorgeht, seinem Schaffensdrange nachgebend, Bilder des verschiedensten Inhalts nach freier Wahl entstehen ließ und zugleich seine Schüler anwies, frühere Werke von ihm zu kopieren, überzeugt, daß die Käufer sich schon einstellen würden, war er zu derselben Zeit unablässig beschäftigt, bestellte Kirchengemälde auszuführen. Zu den um diese Zeit entstandenen Kirchenbildern gehört das durch den Vorzug ganz eigenhändiger Ausführung ausgezeichnete Altargemälde, welches, jetzt im Museum zu Antwerpen befindlich, unter dem Namen „Le Christ sur la paille“ weltberühmt ist. Die Mitteltafel stellt eine sogenannte Pietà vor: der Leichnam des Heilandes ist auf eine Bank niedergelassen worden, welche mit Stroh belegt ist (daher die übliche Bezeichnung des Bildes); Joseph von Arimathia hält den Oberkörper des Toten aufrecht, Maria Magdalena blickt ihn, die Hände faltend, tieferschüttert an, und die Mutter Maria schickt sich, das schöne Antlitz mit ergreifendem Ausdruck zum Himmel erhebend, an, das Haupt des geliebten Sohnes mit dem Bahrtuche zu verhüllen. Auf den Flügeln sind in überaus liebenswürdiger Auffassung einerseits die Jungfrau mit dem Kinde, andererseits der von göttlicher Liebe erfüllte, begeistert aufwärts schauende Evangelist Johannes dargestellt. Eine schöne Zeichnung zu der Mitteltafel bewahrt die Handzeichnungensammlung der Albertina zu Wien ([Abb. 33]). Auch das für die Barfüßerkirche gemalte, jetzt im Museum zu Brüssel befindliche Bild der Himmelfahrt Marias, gleichfalls eine eigenhändige Arbeit des Meisters, dürfte dieser, wenn nicht schon einer früheren Zeit angehören. Im Jahre 1617 entstand das in der St. Paulskirche, der ehemaligen Dominikanerkirche zu Antwerpen befindliche Gemälde: die Geißelung Christi, das um der Schönheit des Christuskörpers willen zu allen Zeiten gerühmt und bewundert worden ist. — Zwei Hauptwerke schuf Rubens für verschiedene Kirchen von Mecheln. Für die dortige Johanniskirche wurde ihm Ende 1616 ein Altarbild mit der Anbetung der heiligen drei Könige bestellt. Dieser von Rubens früher schon einmal in großem Maßstabe und später noch öfter behandelte Gegenstand war ein Vorwurf nach seinem Herzen; er fand hier Gelegenheit zu reichster malerischer Prachtentfaltung, indem er die Weisen mit allem Prunke morgenländischer Herrscher und mit glänzendem Gefolge auftreten ließ. Unerschöpflich an Erfindungskraft, wußte der Meister in der Bearbeitung dieses Stoffes immer neue und immer mächtig anziehende Wirkungen zu erzielen. Von allen seinen Dreikönigsbildern aber ist dasjenige in Mecheln vielleicht das schönste, zugleich das am liebevollsten ausgeführte; es wird berichtet, daß der Meister selbst stets mit Befriedigung von diesem seinem Werke gesprochen habe. Die Stimmung des Ganzen ist eine freudig-festliche; in froher Erregung huldigen die Fürsten dem Kindlein im Stalle, und das Gemälde wirkt auf das Auge des Beschauers als ein wahres Farbenfest. Den Grundton gibt der prächtigrote Mantel des mittleren Königs an, ihm entgegen wirkt das blaue Gewand Marias; von dem Jesuskinde geht Licht aus und überstrahlt den knieenden ältesten König, den aufrecht stehenden im roten Mantel und den neugierig blickenden Negerfürsten, dem zwei übermütige Pagen die Schleppe tragen, und eine ganze Menge von Gesichtern sich drängender, von Verlangen, das gesuchte Kind erblicken zu dürfen, erfüllter Leute. Die Flügel des Altars enthalten Bilder aus der Geschichte des Täufers Johannes und aus derjenigen des Evangelisten Johannes. Dieses Altargemälde befindet sich noch an seinem Platz; die Gemeinde hatte den Stolz, dem Kardinal Richelieu, der 10000 Gulden für die Flügel bot, mit einem entschiedenen Nein zu antworten. — Ein Bild ganz anderer Art aber, nicht minder bewunderungswürdig, ist dasjenige, welches die Liebfrauenkirche zu Mecheln besitzt. Dasselbe wurde 1618 im Auftrage der Bruderschaft der Fischer gemalt, und zwar in der Zeit von zehn Tagen. Es stellt den wunderbaren Fischzug des Petrus da. Hier ist nichts von Pracht; wir sehen vielmehr derbe Fischergestalten, die in ihrem Gewerbe sich abmühen, und einen bleigrauem Himmel, wie er so häufig über der Nordsee lagert. Es ist ein packendes Wirklichkeitsbild, und wir begreifen, warum Rubens bei jenem anderen Fischergemälde, welches er in dem für Carleton angefertigten Verzeichnis aufführt, besonders erwähnt, daß es nach dem Leben gemalt sei. Der Gegenstand eben dieses Gemäldes, das Finden des Zinsgroschens im Maule des Fisches, kommt auch unter den Flügelbildern des Altarwerks zu Mecheln vor; das Gegenstück dazu ist die Darstellung, wie Tobias auf Geheiß des Engels den heilkräftigen Fisch ans Land zieht. — Wiederum ein ganz anderes Gepräge trägt ein anscheinend der nämlichen Zeit angehöriges Bild, welches Rubens für die Jesuitenkirche in Gent malte, jetzt im Museum zu Brüssel: die Marter des heiligen Lävinus. Der Gegenstand ist grausig, aber der Eindruck des Grausigen wird unterdrückt durch die, man möchte sagen leidenschaftliche Wucht, mit welcher Engel des Himmels herniederfahren, die strafende Blitze unter die Henker schleudern und wildes Entsetzen verbreiten. — So leidenschaftlich ist auch die Gestalt des zornerfüllten Christus auf einem in dem nämlichen Museum befindlichen Bilde, welches Rubens für die Franziskaner zu Gent malte: die heilige Maria und der heilige Franziskus legen ihre Fürbitte ein, daß der Herr die Welt noch mit seinem Strafgericht verschone; so mächtig wie der Zorn der Gottheit, so eindringlich ist das mitleidsvolle Bitten der Heiligen zum Ausdruck gebracht.
Abb. 39. Sauls Bekehrung. In der kgl. Pinakothek zu München.
Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.
Abb. 40. Die Amazonenschlacht. In der kgl. Pinakothek zu München.
Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.