Während Rubens damit beschäftigt war, den Herzog von Buckingham zu malen, trat er in Unterhandlungen mit Gerbier und machte demselben Vorschläge, welche auf die Erhaltung des Friedens für seine Heimat hinzielten. Eine Stelle aus dem erhaltenen Bericht über diese Besprechungen mag dazu dienen, Rubens’ Standpunkt zu kennzeichnen. „Der Herr Rubens,“ sagt der Verfasser des Berichtes, anscheinend Gerbier selbst, „hatte in der Unterhaltung mit dem Herzog einen löblichen Eifer für die Sache des Christentums (d. h. für die katholische Sache) wahrgenommen. Nach seiner Abreise von Frankreich und dem Bruch zwischen Spanien und England schrieb er häufig an Gerbier, wobei er den gegenwärtigen Stand der Dinge höchlich bedauerte, das goldene Zeitalter wieder herzustellen wünschte und Gerbier beschwor, er möge den Herzog von Buckingham von dem großen Bedauern der Infantin über den gegenwärtigen Stand der Dinge in Kenntnis setzen. Er legte dar, daß Ihre Hoheit nicht darunter leiden dürfe, da sie doch nichts anderes wünsche als ein gutes Einvernehmen, was sie für ganz vernunftgemäß halte, da sie weder Partei für einen der Streitenden genommen noch auch zu deren Zerwürfnis beigetragen habe. Daß, wenn der König von Groß-Britannien eine Absicht habe, die Wiedereinsetzung des Pfalzgrafen (Friedrich V, des flüchtigen Böhmenkönigs, dessen Gemahlin eine Schwester Karls I war) zu verlangen, er sich an den Kaiser halten müsse und an den König von Spanien, der voraussetzlich die Macht dazu besäße; daß aber mindestens das gute Einvernehmen, welches bisher zwischen England und der Infantin bestanden habe, aufrecht erhalten und auf eine eigene Grundlage gestellt werden solle, denn zwischen ihnen gäbe es keine streitigen Punkte.“

Abb. 67. Weibliches Bildnis. In der kgl. Gemäldegalerie zu Dresden.
(Nach einer Aufnahme von Ad. Braun & Co., Braun, Clément & Cie. Nchfl.,
in Dornach i. Els. und Paris.)

In den nächsten Jahren finden wir Rubens ganz im Dienste der Politik; im Auftrage der Infantin und des Marquis Spinola tauscht er mit Gerbier und gelegentlich auch mit Buckingham selbst einen lebhaften Schriftenwechsel aus, um auf eine allgemeine Waffenruhe zwischen dem König von Spanien, den Königen von England und von Dänemark und den niederländischen Generalstaaten hinzuwirken. Auf die Dauer ließ sich nicht alles schriftlich erledigen, und Rubens mußte zum Zwecke mündlicher Besprechungen sich bald nach diesem, bald nach jenem Orte begeben. Das unruhige Leben des Staatsmannes mochte ihm willkommen sein; denn es war inzwischen ein Ereignis eingetreten, welches ihm das zeitweilige Verlassen von Haus und Werkstatt erwünscht machte, da beides ihm verödet vorkam.

Im Sommer 1626 starb Rubens’ Gattin. Was sie dem Meister war, geht am besten aus seinen eigenen Worten hervor, die er am 15. Juli jenes Jahres in einem Briefe niederschrieb. „Wahrlich,“ sagt er, „ich habe eine ausgezeichnete Gefährtin verloren; man konnte, was sage ich, man mußte sie mit Recht lieben, denn sie hatte keinen der Fehler ihres Geschlechts; keine verdrießliche Laune, keine jener weiblichen Schwächen, sondern nichts als Güte und Schicklichkeitsgefühl; ihre Tugenden machten sie bei ihren Lebzeiten jedermann lieb, nach ihrem Tode verursachten sie allgemeine Betrübnis. Ein solcher Verlust erscheint mir gar empfindlich, und da das einzige Mittel für alle Übel das Vergessen ist, welches die Zeit mit sich bringt, so muß ich zweifellos davon meine einzige Hilfe erhoffen. Aber wie schwer wird es mir werden, den Schmerz, den ihr Verlust mir verursacht, von dem Andenken zu trennen, das ich mein Lebenlang dieser geliebten und verehrten Frau bewahren muß. Eine Reise würde mir vielleicht gelegen sein, um mich von so vielen Gegenständen zu entfernen, welche unablässig meinen Schmerz erneuern, ‚wie jene (Dido in Vergils Äneis) einsam klagt im verlassenen Haus und an Dinge sich brütend hängt, die ringsum als Erinnerungszeichen geblieben.‘ Die wechselnden Bilder, welche sich den Augen auf einer Reise darbieten, beschäftigen die Einbildungskraft und besänftigen das Weh des Herzens. Freilich ist es wahr, ‚daß ich in meines Ich Gesellschaft wandern und mich selbst mit mir herumtragen werde‘“....

Abb. 68. Männliches Bildnis. In der Ermitage zu St. Petersburg.
(Nach einer Aufnahme von Ad. Braun & Co., Braun, Clément & Cie. Nchfl.,
in Dornach i. Els. und Paris.)

Die kaiserliche Ermitage zu Petersburg bewahrt ein herrliches großes Bild von Isabella Brant aus ihren letzten Lebensjahren. Sie sitzt in vornehmer reicher Kleidung, in Brokatmieder und golddurchwirktem roten Rock, auf einem roten Sessel; in der einen Hand hält sie eine weiße Rose, in der anderen einen Fächer von Pfauenfedern. Ihre Züge sind etwas welk geworden, aber ihre frische Farbe läßt noch keine Spur von Kränklichkeit ahnen; die Augen leuchten so lebhaft, wie auf ihren frühen Jugendbildern, und die Lippen scheinen allezeit zu einem freundlichen Lächeln bereit. Im Hintergrund des Bildnisses hat Rubens ein Stück von den Bauten abgemalt, womit er seinen Garten geschmückt hatte ([Abb. 76]).

Rubens ließ seine Gattin in der St. Michaeliskirche in der nämlichen Gruft bestatten, welche die Asche seiner Mutter barg.

Von allen Erinnerungszeichen, welche Frau Isabella in dem verödeten Hause zurückließ, waren die besten ihre beiden prächtigen Knaben, — das Töchterchen war früh gestorben. Eine der schönsten Schöpfungen des Meisters ist das Doppelbildnis, in welchem er seine beiden Söhne in ganzer Gestalt abgemalt hat; nach dem Alter der Dargestellten muß das Werk ganz kurze Zeit nach dem Tode Isabellas entstanden sein. Wenn sonst gerade jetzt die Zeit des vielbeschäftigten Meisters dermaßen in Anspruch genommen war, daß er bei der Ausführung seiner Schöpfungen, mehr aus Notwendigkeit als aus freiem Willen, seine eigenhändige Arbeit auf das Allerunentbehrlichste — und manchmal selbst auf weniger als dies — beschränkte, so hat er sich bei diesem Bilde, ebenso wie bei demjenigen seiner Frau, die Zeit genommen und hat dasselbe vom ersten bis zum letzten Strich mit all der künstlerischen Liebe, deren er fähig war, gemalt, und die Liebe zu den Seinigen hat er mit hineingemalt. Es hat sogar den Anschein, als ob er das Doppelbildnis seiner Söhne zweimal mit eigener Hand ausgeführt habe; das Gemälde ist in zwei Exemplaren vorhanden, und wenn auch dasjenige, welches sich in der Liechtensteinschen Sammlung befindet, einen größeren Reiz der Vollendung aufweist, so ist doch auch jenes, welches die Dresdener Galerie besitzt, so vollkommen, daß es schwer wird, an dessen eigenhändiger Ausführung durch Rubens zu zweifeln. Albert, der ältere Knabe, ganz schwarz gekleidet, lehnt an einem Pfeiler, im rechten Arm hält er ein Buch, das Zeichen seiner Lernbegierde, durch welche er sich frühzeitig solche Kenntnisse erwarb, daß er schon im Alter von sechzehn Jahren vom König von Spanien zu einem hohen Amte vorausbestimmt wurde; die Linke, welche den ausgezogenen Handschuh lose gefaßt hält, legt er leicht um die Schulter des Bruders; dieser, der hellfarbige Kleider trägt, ist noch ganz ein sorgloses Kind; all seine Aufmerksamkeit gilt seinem Spielzeug, einem gefesselten Distelfinken. Das Bild gehört zu den höchsten Meisterwerken der Bildnismalerei, die es giebt; die beiden Knaben leben vor uns, und der künstlerische Reiz der Licht- und Farbenwirkung findet nicht in manchem Werke seinesgleichen (Titelbild und [Abb. 77]).