Helene Fourment, die junge Witwe, vermählte sich 1645 zum zweitenmale; sie reichte ihre Hand einem Schöffen von Antwerpen, Johann Baptist van Broeckhoven, der nachmals zum Grafen von Bergeyck ernannt wurde. Sie lebte bis 1673.

Das Haus in Antwerpen, welches Rubens mit so großem künstlerischen Aufwand erbaut hatte, wurde schon 1669 von seinem Enkel Philipp verkauft. Es behielt sein stolzes Ansehen bis zum Jahre 1763, wo es in dem damaligen Geschmack umgebaut wurde; die größte Mehrzahl der zum Teil von Fayd’herbe ausgeführten Standbilder, womit die Bauten im Garten geschmückt waren, wurde damals beseitigt. Später, in unserem Jahrhundert, verlor das Bauwerk noch mehr; aus dem einen Haus wurden zwei gemacht, und bei dieser Gelegenheit wurde dessen schönster baulicher Bestandteil, der Kuppelbau, welcher die Kunstsammlung des Meisters beherbergt hatte, niedergerissen.

In der belgischen Kunst war Rubens’ Einfluß auf Jahrhunderte hinaus mächtig. Man darf unbedenklich behaupten, daß nie und nirgends ein einzelner Künstler so fruchtbringend und nachhaltig auf die Kunst seines Landes gewirkt hat, wie dies bei Rubens der Fall war. Andere große Meister sind der Kunst der Jüngeren verderblich gewesen, weil sie nachgeahmt wurden, und Nachahmung ist der Tod der Kunst. Rubens aber wurde nicht nachgeahmt, er war unnachahmlich; aber sein Vorbild wirkte schöpferisch belebend auf allen Gebieten. Wie Rubens der fruchtbarste Maler war, den es je gegeben hat — 1300 Gemälde, von denen mindestens zwei Drittel mehr oder weniger von seiner eigenen Hand ausgeführt sind, legen Zeugnis davon ab —, so war er auch der vielseitigste, und darum wirkte er nach so vielen Seiten hin, ohne die Selbständigkeit der einzelnen zu beeinträchtigen. Was ein Bildnismaler wie van Dyck, was Schilderer des Volkslebens wie die Teniers schufen, was die Landschafter und selbst die Stillebenmaler Belgiens malten, in allem hat Rubens’ anregendes Beispiel durchgewirkt, so gut wie bei den Werken der Geschichtsmalerei von jeglicher Gattung. Bildhauer und Baukünstler gingen bei Rubens in die Lehre; durch das Wiedergeben seiner formensicheren wirkungsvollen Zeichnungen gelangte die Holzschneidekunst damals in Belgien zu einer mustergültigen Vollkommenheit, zu einer Zeit, wo es überall anders gar keinen künstlerischen Holzschnitt mehr gab; an den Werken des großen Malers schulte sich die Kupferstecherkunst, daß sie jene breite malerische Wirkung erzielte, die wir an den vlämischen Stichen des 17. Jahrhunderts bewundern. Die gesamte glanzvolle belgische Kunst des Barockzeitalters war in der einen Person ihres Begründers zusammengefaßt.

[*] So schrieb die Familie Rubens ihren Namen während des Aufenthalts in Deutschland, um die heimische Aussprache mit der deutschen Schreibweise in Übereinstimmung zu bringen.