III. Buch: Hs. No. 2594 der Wiener Hof-Bibliothek, ergänzt durch
die von mir in der Romania, vol. XXXVI, S. 559-60;
564-565; 569 ff. usw. gedruckten Stücke.
[32] Vgl. Modern Philology, vol. V, S. 318.
[33] E. Løseth, Le Roman en prose de Tristan, Analyse critique d'après les manuscrits de Paris 1891. 8°.
[34] Ich habe Grund zu glauben, daß zwischen 1882 und 1884 in London zwei Hss. per Auktion verkauft wurden, deren eine die Trilogie, deren andere den Brait repräsentierte. Da aber die Namen der Käufer der beiden Hss. in dem Kataloge fingierte waren, ist es mir trotz mancher Anstrengungen, und obgleich eine bedeutende Firma mir behilflich war, nicht gelungen zu ermitteln, was aus beiden Hss. geworden ist. Die Tatsache, daß diese beiden Kompilationen, die an Interesse und literarischem Wert dem Vulgat-Zyklus bedeutend nachstehen, nie die Popularität desselben erlangt haben und, wegen des geringeren Bedarfes, nicht so oft abgeschrieben wurden, macht es erklärlich, daß wir neben der Huth-Hs. so wenige Bruchstücke des französischen Originals besitzen.
[35] Der Titel, den ich der gegenwärtigen Ausgabe gegeben habe, ist eigentlich nicht genau genug, weil auch Gaheriet im Zusammenhange mit den Abenteuern der drei Gefährten eine bedeutende Rolle spielt. Ich habe dennoch diesen Titel gewählt, weil sowohl in Malory, als auch in dem Huth- Merlin von einem dreifachen Abenteuer dieser drei Gefährten die Rede ist, und weil viele dasselbe durch diese beiden Texte kennen, die von der Hs. No. 112 nicht mehr wissen, als was E. Wechssler darüber gesagt hat.
[36] Da ich in dieser meiner ersten Arbeit auf dem Gebiete der französischen Artus-Romane in Prosa, vor 23 Jahren, noch nicht von den Graal-Zyklen als Ganzen handelte, hatte ich von der Trilogie des pseudo-Robert de Borron noch keine Vorstellung, aber schon damals schrieb ich: "I cannot help thinking that the attribution of the authorship of the prose- Perceval (d. h. des Didot- Perceval ) to Robert de Borron, and the substitution of Galahad for Perceval in the "Queste" are rather problematical arguments" usw.
[37] Wer den Huth- Merlin, die spanische oder portugiesische Demanda gelesen hat, der wird sofort erkennen, daß die in jenen Texten erzählten Abenteuer in Stil und Charakter mit den hier erzählten übereinstimmen. Ein gemeinsamer Zug, der sehr auffallen muß, ist die sehr starke Betonung des übernatürlichen Elements, die oft so übertrieben ist, daß die beschriebenen Situationen unwahrscheinlich und lächerlich erscheinen.
[38] In den Tristan -Hss. ist von Morholt, einem Onkel oder einem parent, nicht aber von einem Bruder der Königin Iseut, die Rede.
[39] Die Abenteuer Gawains erzählt Sir Thomas Malory in seiner Le Morte Darthur (= M) im Buche 4, von der Mitte des XX. (d. h. in meiner Ausgabe; in anderen Ausgaben ist das XX. das XIX. Kapitel. In Caxtons Text sind Kapitel XVIII und XIX vereinigt) bis zum Ende des XXIV. ( alias XXIII.) Kapitels. Wenn man die SS. 19-43 des vorliegenden Textes (= T2, d. h. zweites Buch der Trilogie) und dann M durchliest, so gewinnt man zuerst den Eindruck, daß beide, mit Ausnahme des Schlusses, vieles gemein haben. Vergleicht man aber beide Teile sorgfältig, so findet man eine ganze Reihe von Zügen, in denen sie von einander abweichen. Im allgemeinen ist M kürzer gefaßt als T2. M (vielleicht schon der Bearbeiter seiner Quelle) hat in vielen Punkten seine Vorlage entweder mißverstanden, oder absichtlich oder zufällig geändert. In M ist Pellias — Syr Pelleas; Arcade — Lady Ettard; der alte vavasour, Gawains erster Wirt, ist in M "an old knyghte & a good householder"; sein zweiter Wirt, der in T2 nicht mit Namen genannt wird, ist in M "Sir Carados". "Nymue the damoysel of the Lake" spielt in M eine wichtige Rolle in diesem Zusammenhange, wo sie in T2 garnicht erwähnt wird. M erwähnt auch "kyng Lott of Orkeney" und einen Ritter des Pelleas, den Nymue im Walde jammernd findet. Syr Pelleas ist nach M "in the iles" geboren und the "lord of many iles". Ich kann von den Unterschieden, die zwischen beiden Texten existieren, nur die wichtigsten anführen, die aber genügen werden, dem Leser das Verhältnis derselben zueinander zu erklären. In M kommt "Pelleas the dolorous knyght" zuerst auf der "launde", d. h. auf der Plaine Aventureuse an; erst als er mit Gawain gesprochen hat, erscheinen die zehn Ritter, mit denen er kämpft. In M hebt Pelleas alle zehn "with one spear" aus dem Sattel und wird von ihnen "under the horse belly" gebunden. (Im XXII. Kapitel ist aber neben dieser Stellung auch von "the horse tail" die Rede.) Gawains Begleiterin fordert ihn in M auf, Pelleas zu helfen, er ist bereit es zu tun, sagt aber: "hit semeth he wylle have no helpe", worauf die "damoysel" dann sagt: "me thynketh ye haue no luste to helpe hym". In dem Streite zwischen dem Ritter und dem Zwerg ist Gawain in M viel bündiger wie in T2. Er sagt nämlich: "wel syrs said he wylle ye put the mater in my hand; ye they sayd both. Now damoysel sayd syr Gawayn ye shal stande betwixe them both, and whether ye lyst better to go to, he shal haue yow". Der Ritter, den die "damoysel" zu Gunsten des Zwerges gehen läßt, macht in M Gawain kein Geständnis wie in T2. Dem Begleiter des Ritters, mit welchem Gawain kämpft, gibt die "damoysel of 15" auf seine Frage "if ye wold abyde with me", die Antwort "with yow wylle I be … for with syr Gawayn I may not fynde in myn herte to be with hym, for now heres" …
Das Gespräch zwischen Gawain und Sir Carados, dem Lehnsmann des Königs von Norgales in T2, fehlt in M ganz, wo auch nicht erwähnt wird, daß Gawain seine Begleiterin, seinen Wirt und seinen Knappen erst vermißt, als er sich vergewissern will, ob die erstgenannte nichts dagegen habe, wenn er bei dem Ritter einkehrt. Auch die Erzählung dieses Ritters, Sir Carados, nach dem Abendessen ist in M viel kürzer als in T2, und in dem Berichte über das Tournier hat M Einzelheiten, die in T2 abwesend sind. In T2 ist auch nichts, den folgenden Stellen, entsprechendes zu finden: "wherfor al ladyes and gentylwymen hadde scorne of her that she was so proude, for there were fayrer than she & ther was none that was ther but & sir Pelleas wold have profered hem loue they wold haue loued hym for bis noble prowesse". 2. "& so this knyght promysed the lady Ettard to folowe her into this countrey & never to leue her tyl she loued hym". In M erklärt Gawain, nachdem der Ritter seine Erzählung geendet hat: "And after this nyghte I wylle seke hym to morowe in this forest to doo hym alle the helpe I can…" Ein M eigentümlicher Zug ist, daß Syr Pelleas noch einmal, und zwar mit viel mehr Einzelheiten, Gawain die Geschichte erzählt, die ihm vorher schon der Sir Carados erzählt hat. In M ist das Gespräch zwischen Gawain und Lady Ettard, als er in Pelleas' Rüstung vor ihr erscheint, in verschiedenen Punkten anders als in T2; und dasselbe gilt auch von der Art und Weise wie Gawain die Dame dazu bringt, seine Geliebte zu werden. Verschieden von dem in T2 gesagten ist in M auch, was über Pelleas erzählt wird, als er die beiden im Pavillon schlafend findet. Er kehrt sogleich um, weil er "for pure sorowe" nicht länger bleiben kann. Als er eine halbe Meile geritten ist, kehrt er um, mit der Absicht beide zu töten; "and whanne he sawe hem bothe soo lye slepynge faste, vnnethe he myght holde hym on horsbak for sorowe", reitet er zum zweiten Male zurück. Als er wieder eine halbe Meile geritten ist, kehrt er noch einmal um "and thoughte thenne to slee hem bothe"; er steigt ab, bindet sein Pferd an einen Baum, zieht sein Schwert und tritt in den Pavillon ein, "and wente to them as they lay, and yet he thought it were shame to slee them slepynge, and layd the naked swerd ouerthwart bothe their throtes, and soo tooke his hors and rode his awaye". In M bittet Pelleas seine Ritter, daß sie nach seinem Tode sein Herz "betwyxe two syluer dysshes" zu Lady Ettard tragen. In M erkennt Lady Ettard sofort das Schwert des Pelleas und klagt Gawain an, nicht nur sie, sondern auch seinen Gefährten betrogen zu haben. "Wir würden jetzt beide tot sein", erklärt sie, "wenn nicht Pelleas ein viel besserer Ritter wäre als du", "but ye haue deceyued me and bytrayd me falsly, that al ladyes and damoysels may beware by yow and me". Ohne ein Wort zu seiner Verteidigung zu sagen, ohne seine Handlungsweise zu bereuen, verläßt dann Gawain Lady Ettard.