Was nun in M folgt, steht mit dem in T2 erzählten in gar keinem
Zusammenhange. Es ist schwer zu entscheiden, ob der Schluß das
Werk Sir Thomas Malorys ist, oder ob er denselben schon in seiner
Vorlage gefunden hat. Nachdem Gawain Lady Ettard verlassen hat,
ereignet es sich, daß "Nymue the damoysel of the lake" einen
Ritter des Pelleas im Walde trifft, welcher das Schicksal seines
Herrn beweint. Als Nymue die Ursache seines Kummers erfahren,
tröstet sie ihn und sagt: "Dein Herr wird nicht sterben, und die
Stolze, die kein Mitleid mit ihm gehabt, wird bald noch schlimmer
dran sein als er". Als der Ritter Nymuen zu Pelleas geleitet hat,
findet diese großes Gefallen an dem Unglücklichen und bewirkt
durch ihre Zauberkraft, daß er in einen tiefen Schlaf verfällt.
Sie befiehlt, daß keiner ihn vor ihrer Rückkehr wecken soll. Nach
zwei Stunden führt sie Lady Ettard an das Lager des noch
Schlafenden und sagt, auf ihn weisend: "Du solltest dich schämen,
einen solchen Ritter zu morden" und zu gleicher Zeit verwandelt
sie durch ihre Zauberkraft Lady Ettards tötlichen Haß in maßlose
Liebe zu dem Schlafenden. "Was ist mir", ruft Lady Ettard aus,
"ich liebe denjenigen, den ich noch vor kurzem gehaßt!" "Das ist
Gottes Strafe für deine Grausamkeit", erklärt Nymue. Indem erwacht
Pelleas; als er Lady Ettard erkennt, ruft er ihr zu: "Verlaß mich,
Verräterin, ich hasse dich", denn auch seinen Sinn hat Nymue durch
ihre Zauberkraft verwandelt. Darüber ist Lady Ettard sehr betrübt
und weint. Nymue aber fordert Pelleas auf, ihr zu einer Dame zu
folgen, die er lieben und die seine Liebe erwidern werde. Pelleas
erzählt ihr, was er um Lady Ettard gelitten und erklärt sich
bereit ihr zu folgen, wohin sie ihn führen will; "soo the lady
Ettard dyed for sorowe, and the damoysel of the lake reioysed syr
Pelleas and loued togyders durynge their lyf dayes".

[40] Im Anschluß an die in N. 2[39] S. XXVII erzählten Abenteuer Gawains, folgen im XXV.-XXVII. Kapitel in M diejenigen des Morholt (Sir Marhaus) mit der Jungfrau von 30 Jahren. Jedoch steht alles, was hier erzählt wird, in keinem Zusammenhange mit der Trilogie des pseudo-Robert de Borron, es scheint vielmehr, daß entweder Sir Thomas Malory oder derjenige, dessen Kompilation ihm als Vorlage diente, diese Abenteuer eigens hier, nach dem Muster anderer, für Sir Marhaus arrangiert hat.

Marhaus und seine Begleiterin schlagen eine südliche Richtung ein. In einem dichten Walde werden sie von der Nacht überrascht. Sie bitten den Besitzer eines Gehöftes um Nachtquartier, der weigert sich aber sie aufzunehmen. "Wenn du bereit bist", sagt der Mann zu Marhaus, "ein Abenteuer zu bestehen, so will ich dir zeigen, wo du die Nacht Aufnahme findest". Vergeblich versucht Marhaus von dem Manne zu erfahren, welcher Art das Abenteuer sei; er nimmt schließlich des Mannes Vorschlag an. Nach einer Stunde gelangen sie an ein festes Schloß. Der Mann klopft an das Tor und wird eingelassen. Er meldet dem Besitzer des Schlosses, einem Herzoge, daß er ihm einen Ritter und eine Jungfrau zugeführt habe, die Nachtquartier begehren. "Laß sie herein", sagt der Herzog, "vielleicht werden sie noch bereuen, hierher gekommen zu sein." Nachdem Marhaus und die Jungfrau abgestiegen sind, führt man sie in die Halle, wo der Herzog, von vielen Rittern umgeben, sitzt. "Wer bist du und wo kommst du her?" fragt er den Marhaus. Der letztere nennt seinen Namen und fügt hinzu: "I am a knyghte of kynge Arthurs and knyght of the table round". (Diese Behauptung steht im Widerspruch mit dem später im XXX. Kapitel Erzählten, daß nämlich Marhaus und Pelleas zu Genossen der Tafelrunde gemacht wurden). "Ich hasse Arthur und seine Tafelrunde", erklärt der Herzog, "ruhe heute, morgen mußt du mit mir und meinen sechs Söhnen kämpfen. Gawain hat meine sieben (? meinen siebenten Sohn) Söhne getötet; ich habe ein Gelübde getan, ihren (? seinen) Tod an allen Rittern der Tafelrunde zu rächen, die hierher kommen". Als Marhaus das hört und daß sein Wirt der "duke of south marchys" ist, sagt er: "Ich habe gehört, daß du meinen König und seine Ritter haßt". Dann ziehen sich Marhaus und seine Begleiterin auf die ihnen angewiesenen Gemächer zurück. Am nächsten Morgen in aller Frühe läßt der Herzog Marhaus wecken. Nachdem Marhaus die Messe gehört, gefrühstückt, sich gewaffnet und sein Pferd bestiegen hat, erscheint er auf dem Schloßhofe, wo ihn der Herzog und seine Söhne, alle mit Lanzen bewaffnet, erwarten. Zwei der Söhne zersplittern ihre Lanzen an Marhaus' Schild, er aber berührt sie nicht. Dann greifen die übrigen vier Söhne Marhaus zu zweien an; auch sie zerbrechen ihre Lanzen, aber Marhaus tut ihnen kein Leid. Dann plötzlich stürzt Marhaus auf den Herzog los und wirft ihn samt seinem Pferde zu Boden. Schnell steigt er ab und droht ihn zu töten, wenn er sich nicht ergibt. Als des Herzogs Söhne ihrem Vater zu Hilfe eilen wollen, gebietet Marhaus ihm, dieselben zurückzuweisen, wenn er nicht sterben wolle. Hierauf ergeben sich der Herzog und seine Söhne dem Marhaus, der ihnen befiehlt am nächsten Pfingstfest sich am Hofe Arthurs einzufinden. Dann verläßt Marhaus das Schloß. Zwei Tage später leitet ihn seine Jungfrau zu einem Turnier, das "the lady de Vawse" veranstaltet hatte. Hier zeichnet sich Marhaus so aus, daß ihm der Preis, ein goldener Kranz, zuerkannt wird. Von hier führt ihn die Jungfrau nach dem Schlosse des "earl Fergus", der später Sir Tristans Ritter wurde und dessen Land ein Riese namens Taulurd (der Bruder des Riesen Taulas, den Tristan in Cornwall erschlug), verheert und in Schrecken setzt. Marhaus fragt nur, ob der Riese zu Pferde oder zu Fuße kämpfe und läßt sich am nächsten Morgen zeigen, wo er haust. Nach langem schweren Kampfe treibt Marhaus den Riesen in einen See; hier steinigt er denselben bis er niederfällt und ertrinkt. In des Riesen Schloß findet Marhaus 24 Jungfrauen und 12 Ritter, die er befreit, und unermeßlichen Reichtum. Fergus bietet Marhaus aus Dankbarkeit die Hälfte seines Landes an, Marhaus aber nimmt das Geschenk nicht an. Nachdem er sechs Monate bei Fergus geweilt, um seine Wunden zu heilen, verabschiedet er sich. "And äs he rode by the way, he mette with syr Gawayne and syr Vwayne, and so by aduenture he mette with foure knyghtes of Arthurs courte; the fyrst was syr Sagramore desyrus, syr Ozanna, syr Dodynas le saueage and syre felot of lystynoyse; and there syr Marhaus with one spere smote doune these four knyghtes, and hurte them sore. Soo he departed to mete at his day afore sette."

[41] ? Tor oder Perceval.

[42] Der gute Ritter ist vermutlich Galahad. Vgl. auch fol. 39 c, d.

[43] Vgl. infra.

[44] Weder in der Huth-Hs., noch in dem gegenwärtigen Text, noch in dem dritten Buche der Trilogie ist von Gaheriets Besuch der Merlin-Insel die Rede. Wenn der Schreiber der Hs. No. 112 die obige Angabe richtig verstanden hat, und wenn dieselbe sich nicht auf den Brait bezieht, so haben wir hier einen Hinweis auf den Inhalt des noch fehlenden Endes des zweiten Buches der Trilogie.

[45] Vgl. infra.

[46] Die Hs. hat, wahrscheinlich irrtümlich, X anstatt XII.

[47] Die oben gesperrt gedruckten Reihen weisen auf die Mort Artus des dritten Buches der Trilogie hin. Sie ist erhalten in den spanischen Drucken, in der portugiesischen Hs. und in der Hs. No. 340 der Pariser National Bibliothek ist der Schluß zu finden. Die Version der Mort Artus der Trilogie ist zwar unzweifelhaft auf die der Vulgata zurückzuführen, aber sie unterscheidet sich von derselben in manchen Punkten und ist bedeutend kürzer. Einige wichtige Stellen aus derselben habe ich im XXXVI. Bande der Romania SS. 584-590 gedruckt.