G. Paris erkennt nicht, daß der Joseph gar nicht, und der Merlin, wenigstens nicht so wie er in der Huth-Hs. vorliegt, zur Trilogie gehören kann. Er führt die Widersprüche zwischen Merlin und Suite du Merlin als Beweisgründe dafür an, daß der Verfasser der letzteren nicht Robert de Borron sein kann — eine Tatsache, die hinlänglich durch die in derselben zu findenden Hinweise und Anspielungen auf den Vulgat-Zyklus und den Tristan bewiesen ist — während diese Widersprüche, an und für sich betrachtet, doch nur beweisen, daß Robert de Borron's Merlin nicht mit der Suite du Merlin in Einklang gebracht ist. G. Paris glaubt, daß die Suite du Merlin bestimmt sei, auf den Lancelot vorzubereiten und den Merlin mit demselben zu verbinden, ähnlich wie die Fortsetzung des Merlin in dem Vulgat-Zyklus, aber er macht keinen Versuch, Gründe für seine Vermutung anzugeben, viel weniger dieselbe zu beweisen. Unbekannt[23] mit den Hss. No. 112, No. 340 und No. 343 der Pariser National-Bibliothek, mit den spanischen Drucken,[24] mit den portugiesischen Hss. in Wien und Lissabon, war G. Paris von Anfang an nicht in der Lage, eine grundlegende Arbeit zu schreiben, ein endgültiges Resultat zu erlangen.
Ich komme nun zu E. Wechsslers's Arbeit, der das eben genannte Material mit Ausnahme der spanischen Drucke und der Hs. in Lissabon (von der er zwar gehört hatte) nicht nur kannte, sondern zur Verfügung hatte. Wie stellte sich Wechssler die in der Huth-Hs. angedeutete Trilogie des pseudo-Robert de Borron vor?
Während G. Paris gegen den in der Huth-Hs. dem Merlin vorangehenden Joseph nichts einzuwenden hat, erkennt Wechssler richtig, daß manches in der Suite du Merlin darauf hinweist, daß nicht der Joseph, sondern die Estoire del Saint Graal vor derselben am Platze sei. Es ist ihm auch klar, daß die Einsetzung der langen Estoire für den kurzen Joseph die Angaben I und II der Huth-Hs. noch rätselhafter machen würde, als sie schon sind; da hilft er sich aus aller Verlegenheit damit, daß er einfach den unbequemen Joseph eliminiert und dem Schreiber der Huth-Hs., oder seinem Vorgänger, zur Last legt, er habe nach dem Muster des ältesten Graal-Zyklus (kannten die Schreiber den so gut wie Wechssler? H. O.S.), wo ebenfalls der Joseph dem Merlin vorangeht, aber hier mit Recht, diesen Joseph in seine Hs. aufgenommen. Ohne auch nur mit einem Worte die zwischen Merlin und Suite du Merlin bestehenden Widersprüche zu erwähnen, arrangiert dann Wechssler die in der Huth-Hs. angedeutete von ihm durch die Bezeichnung "jüngere Kürzung C" unterschiedene Trilogie wie folgt:
I. Buch: fols. 20-125, d. h. Merlin (allem Anschein nach wie derselbe in der Huth-Hs. zu finden ist H. O.S.), plus 50 Blätter der Suite du Merlin, zusammen 106 Blätter.
II. Buch: fols. 126-230 oder 104 Blätter und ein halbes.
III. Buch: Graal-Queste und Mort Artus, zusammen 105 Blätter, die aber fehlen.
Bezüglich des Inhalts des dritten Buches sagt Wechssler, es sei nicht erhalten, der Verlust sei aber um so weniger zu bedauern, als die beiden Branchen, wenn sie in dem engen Raum von etwa 105 Blättern Platz haben sollten, auf weniger als die Hälfte reduziert werden müßten. "Könnten wir nicht an der Suite du Merlin beobachten", fährt Wechssler fort, "wie der Redaktor sich damit hilft, daß er das Überschüssige ohne weiteres wegläßt, so wären wir berechtigt zu bezweifeln (ich habe stets bezweifelt, H. O.S.), daß dieses letzte Drittel überhaupt je ausgeführt wurde".
Kann, was Wechssler vorschlägt, wirklich ernstlich als eine Lösung des Rätsels angesehen werden? Kann eine solche, mechanisch zugestutzte, Version, wie er sie beschreibt, die zwar in einer einzelnen Hs., und vielleicht in einer Abschrift derselben durch einen unwissenden Schreiber bestehen kann, als literarische Produktion, als Glied in der Entwicklung eines Graal-Zyklus gelten, ist dieselbe als solches nicht einfach eine Unmöglichkeit?
Ich bin gerechtfertigt, wenn ich annehme, daß Wechssler, wenn er die spanischen Drucke gekannt hätte, "eine jüngste Kürzung D" angenommen haben würde.
Selbst zugegeben, daß Wechssler's Vorschlag die Stellung der Angabe II erklärlich erscheinen läßt, so kann das doch von der Angabe I durchaus nicht behauptet werden.