Behandlung.
Allöopathisch. Ist die Entzündung eine acute, so sollte die bei Ohrenentzündung vorgeschriebene Behandlung eingeschlagen und das Ohr mit warmem Wasser oder einer Mohnsamen- (poppies) Auflösung ausgespritzt werden. Es ist aber besser, wenn man die Flüssigkeit mittelst eines Theelöffels dem Ohre zuführt, weil durch das Einspritzen mit der Spritze leicht Kopfweh entsteht. Sobald die Aussonderung eintritt, sollte das Ohr mit spanischer (castile) Seife gut ausgewaschen werden und gleich darauf mit einer Auflösung von Alaun (Alum), Zinkvitriol (Sulphate of zinc) — ein Gran zu einer Drachme Wasser. Essigsaures Blei (Acetate of lead), ein oder zwei Grane auf eine Unze Wasser, wird sich öfters sehr wirksam erweisen. Auch wird ein Theil Glycerin und fünf Theile Rosenwasser empfohlen. Ist die Absonderung sehr übelriechend, so hat man das Ohr mit einer Mischung auszuspritzen, die aus zwei Drachmen Chlorkalk (Chloride of lime) und einer halben Pint Wasser besteht, während man zu gleicher Zeit eine Auflösung von salpetersaurem Silber (Nitrate of silver) — fünf Grane zu einer Unze Wasser — gebraucht. Jedoch muß man bei Anwendung dieser Mittel acht darauf haben, daß dem Ausfluß nicht allzu plötzlich Einhalt gethan wird.
Eclectische und Kräuterkur. Die Ohren mögen mit warmem Seifenwasser ausgespritzt werden, wornach eine Einflößung von Gelbwurzel (Golden seal) und brenzlicher Holzsäure (Pyroligneous acid) stattfinden sollte. Die Säure darf nur gebraucht werden, wenn der Ausfluß sehr übel riecht. Eine Abkochung von Gelbwurzel, wilder Indigowurzel kann in manchen Fällen gebraucht werden, oder auch eine Auflösung von anderthalbkohlensaurem Kali (Sesquicarbonate of potassa).
Homöopathisch. Nie sollte man versuchen, den Ausfluß dadurch hinwegzuräumen, daß man das Ohr verstopft, denn dies mag sehr gefährlich werden. Wurde der Ohrfluß durch Masern herbeigeführt, so gebe man Pulsatilla und Sulphur vier Tage lang, jedes dieser Heilmittel an zwei aufeinanderfolgenden Abenden, — sechs Kügelchen eine Dosis. Folgt das Ohrenlaufen dem Scharlachfieber, so gebe Belladonna, Mercurius, Hepar Sulphur und Lycopodium — in derselben Weise. Wenn es nach den Blattern eintritt, Mercurius, Lachesis, Sulphur und Calcarea Carbonica. Diese Mittel sollten eine Woche lang oder länger eingegeben werden, ehe man zu andern Arzneien greift. Wenn der Geruch der sich ausscheidenden Flüssigkeit außerordentlich unangenehm ist, so gebe man Mercurius, Hepar Sulphur, Lycopodium, Pulsatilla oder Sulphur. Ist der Ausfluß mit Blut vermischt, Pulsatilla, Mercurius und Lachesis. Hat der Kranke heftiges Kopfweh und Fieber, Belladonna und Bryonia abwechselnd. Wurde der Ausfluß plötzlich unterdrückt und die Mandeln beginnen anzuschwellen, so gebe Pulsatilla, Mercurius und Belladonna. Wenn die Unterdrückung des Ausflusses durch Erkältung veranlaßt wurde, so gebe Rhus oder Dulcamara. Wenn nach der Unterdrückung die Hoden anschwellen, Pulsatilla, Nux vomica oder Mercurius.
Verordnung der Heilmittel. Löse 12 Kügelchen der erwählten Arznei in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe einen Theelöffel voll der Auflösung jede 4 Stunden, eine Woche lang, es sei denn, andere Anweisungen seien bei den Heilmitteln angegeben. Wenn es bequemer ist, so gebe man sechs Kügelchen zu einer Dosis.
Durchstechen des Ohrläppchens.
Dr. H. R. Stout in Chicago befolgt beim Durchstechen des Ohrs zum Zwecke des Anbringens der Ohrringe eine sehr einfache Methode. Dieselbe besteht darin, daß das Ohrläppchen so lange gegen ein Stück Kork gedrückt wird, bis man kein Gefühl mehr in demselben hat; sodann sticht man, ohne den Kork zu entfernen, mit einer Nadel, in welcher ein Faden ist, schnell durch das Ohrläppchen, macht eine kleine Masche und läßt den Faden in der Oeffnung, bis die unbedeutende Wunde geheilt ist. Jeden Tag sollte man den Faden ein wenig hin- und herziehen, damit die Höhlung nicht zuheilt. Manchmal entsteht durch diese Operation die „Rose,“ deren Behandlung in einem anderen Theile dieses Buchs angegeben ist.
Fremde Körper im Ohr.
Manchmal kommen Insekten ins Ohr, in welchem Falle man Salatöl einträufelt, welches das Insekt tödtet, wornach es leicht entfernt werden kann. Ist eine Bohne oder derartige Substanz im Ohr, so sollte sie mittelst einer Haarnadel sorgsam entfernt werden; man biegt zu diesem Zwecke die Nadel hakenförmig. Jedoch muß man sich äußerst in acht nehmen, den Gegenstand nicht noch weiter hineinzuschieben. Es ist immer besser, wenn derartige Operationen von einem gebildeten Arzt vollbracht werden.