Gesichts- und Kinnbackenlähmung (Paralysis of the Face and Jaw).

Diese Krankheit tritt gewöhnlich mit der Lähmung anderer Körpertheile auf, ob dieselbe nun eine theilweise oder gänzliche ist, und muß deshalb, wie Lähmung im Allgemeinen, behandelt werden. Siehe für Behandlung [Abtheilung IV. — verschiedene Krankheiten.]

Starrkrampf, Kinnbackenkrampf, Mundklemme (Lock Jaw).

Dies ist eine gefährliche Krankheit und besteht in der Zusammenziehung aller Körpermuskeln. Wird der Körper bei den Anfällen vorwärts gebeugt, so nennt man es Emprosthotonos (Starrkrampf der Beugungsmuskeln nach vornen); wird der Körper rückwärts gebeugt, so heißt es Opisthotonos (Rückenkrampf, Starrkrampf mit Beugung nach hinten). Ist der Krampf aber blos auf die Kinnbacken beschränkt, so wird die Krankheit Kinnbackenkrampf, auch Mundklemme oder Mundsperre — engl. Lock Jaw, lat. Trismus — genannt.

Symptome. — Der Starrkrampf tritt oftmals plötzlich und manchmal allmählig ein. Die ersten Symptome sind ein leichtes Gefühl der Steifheit im Nacken und Hals, welche Steifheit immer bedeutender wird, so daß der Patient nur mit größter Schwierigkeit und unter Schmerzen seinen Kopf bewegen kann. Auch ist er nicht vermögend, den Mund leicht zu öffnen; die Kinnbacken kneifen allmählig zusammen und stehen fest, Engigkeit in der Brust, große Schmerzen im Brustbein, unbequeme Erregtheit an der Zungenwurzel, Krämpfe in der Magengrube und den Muskeln des Mastdarms. Die Leiden sind manchmal schrecklich anzusehen; blasse Gesichtsfarbe, Augbrauen zusammengezogen, Runzeln an der Stirne, starre Augen, Nasenhöhlen weit ausgedehnt, Mundecken eingezogen und Zähne blosgestellt, die Züge zu schrecklicher Grimmasse verzerrt, Athmen schwer und schwierig, Puls schwach und schnell, der Verstand ist jedoch ungetrübt. Der tödtliche Ausgang dieser Krankheit wird theilweise durch Erstickung, theilweise durch Erschöpfung verursacht.

Ursachen. — Geisteskrankheiten, Kälte und Feuchtigkeit, lokale Beschädigungen, z. B. Schnitte und andere Wunden, namentlich an den Fußsohlen und an der inneren Hand. Wenn fremde Körper in der Wunde verbleiben; Wunden, die durch Splitter, Glas- oder Nagelstücke entstanden, erzeugen sehr häufig Starrkrampf, da die fremden Körper die Nervenäste sehr stark drücken.

Behandlung.

Allöopathisch. Für einen Erwachsenen einen Theelöffel voll Brandy alle zwei oder drei Stunden mit Milch und Fleischthee (beef-tea), wobei man einen Gran Opium alle drei oder vier Stunden gibt. Chloroform oder Aether, entweder eingenommen oder eingeathmet, sind werthvolle Mittel. Gegen Hartleibigkeit verordne man einen oder zwei Tropfen Crotonöl in einem Theelöffel voll Schleim (Gruel). Man bringe den Kranken in ein heißes Bad und tauche ihn unter und gebe eine Einspritzung (Injection) von einer Unze Castoröl oder derselben Quantität Terpentin. Gleich nach dem Bade sollte etwa eine Drachme Laudanum gegeben werden. Indianischer Hanfextrakt (Indian hemp) erweist sich in manchen Fällen sehr wirksam. Dosis: Drei Grane alle zwei oder drei Stunden.

Eclectische und Kräuterkur. Dr. King empfiehlt einen halben Theelöffel voll zusammengesetzte Lobelia-Tinktur (Compound tincture of lobelia) und spanischen Pfeffer (Capsicum), welches Mittel man langsam in die Mundecken träufeln läßt. Die Dosis alle fünf Minuten zu wiederholen, bis der Patient wieder schlucken kann. Zur selben Zeit nehme man eine Einspritzung von einer Unze Wasser und einer Unze der obigen Tinktur vor, und wiederhole dies alle 10 oder 20 Minuten.

Kann der Kranke wieder schlucken, so sollte eine große Dosis zusammengesetztes Jalappenpulver (Compound powder of Jalap) gegeben werden.