Symptome. Erstes Stadium. In den ersten Anfällen treten in der Regel Verdauungsstörungen, Kollern in den Eingeweiden, Schmerz im Kopf, den Knien und Gelenken, Durst und leichte Diarrhöe ein. Diese Symptome können sich mehrere Stunden oder auch einige Tage hinziehen; häufig tritt sie aber auch urplötzlich ohne irgend welche Vorzeichen ein.
Zweites Stadium. Dieses Stadium kennzeichnet sich mehr oder weniger durch ein beständiges Erbrechen und Abführen einer dünnen, farblosen, dem Reiswasser ähnelnden Flüssigkeit, Krämpfe in den Beinen, die sich bald auf den Magen und die Eingeweide erstrecken; sie sind heftig und äußerst schmerzhaft, ziehen die Muskeln in feste Knoten zusammen und dehnen sich schließlich auf alle Muskeln des Körpers aus. Schreitet dieses Stadium vor, so wird die Zunge blaß und feucht, der Puls schwach, der Athem fliegend, Beängstigung im Herzen, ein Gefühl von innerlicher Wärme, das Leiden spiegelt sich auf dem Gesicht, großer Durst ist vorhanden.
Das dritte Stadium oder der Höhepunkt der Krankheit kennzeichnet sich durch große Hinfälligkeit, der Puls wird kaum fühlbar, die Haut kalt und klebrig, das Gesicht nimmt eine tiefblaue und purpurne Farbe an, die Augen fallen ein, Hände und Füße färben sich dunkel, ähnlich den Händen einer Waschfrau, und haben ein teigiges, todtenartiges Gefühl, die Stimme ist schwach, trocken und beinahe ganz verloren, Athem kurz und mühsam, der Kranke schreit unaufhörlich nach Luft, kaltem Wasser oder Eis, oder er liegt in einer Erstarrung, der Koth kann entweder aufhören oder er geht ohne Wissen des Kranken ab. Der Patient mag sich in einem solchen Zustande 1 oder 2 bis 24 Stunden befinden, aber die Genesung eines Falles in diesem Stadium zählt zu den Seltenheiten.
Ursachen. Die Ursache der Cholera ist noch immer unbekannt, wir wissen, daß sie von einem besonderen Zustande der Luft abhängt, welcher Zustand es aber ist, ist noch nicht ermittelt. Uebervölkerte Plätze, niedrige, feuchte Wohnungen werden von der Seuche besonders heimgesucht, und Personen, welche durch Unmäßigkeit oder andere Krankheiten geschwächt sind, sowie Unreinliche und ärmlich Genährte sind derselben vor allen Andern ausgesetzt. Das Zusichnehmen ungehöriger Nahrung, berauschende Getränke, kalte, feuchte oder Nachtluft, spätes Aufbleiben und Furcht mögen zu den Ursachen gezählt werden. Letztere ist eine der häufigsten Ursachen, der tausende von Menschenleben zum Opfer gefallen sind.
Behandlung.
Homöopathisch. Stellen sich die Anzeichen ein, so sollte sich der Kranke sofort zu Bett begeben, gehörig zudecken und vollkommen ruhig verhalten. Kampher ist hierbei das wichtigste Mittel und wird in folgender Weise angewendet:
Einen Tropfen Kampher-Tinktur auf ein kleines Stück Zucker alle 2, 3 oder 5 Minuten, auch, wenn der Magen etwas annimmt, alle 15 bis 20 Minuten etwas Branntwein mit Wasser. Sobald der Kranke zu schwitzen beginnt, verlängere man die Zwischenräume zwischen den Dosen und lasse ihn 8 bis 10 Stunden im Schweiße. Tritt aber die Krankheit in das zweite Stadium, stellen sich Krämpfe ein, so sollte Veratrum und Cuprum abwechselnd wie folgt gegeben werden:
Man löse 12 oder 15 Kügelchen von jedem Mittel in 4 Eßlöffel voll Wasser und gebe alle 15 Minuten einen Theelöffel voll; sobald sich die Symptome bessern, verlängere man die Zwischenräume.
Arsenicum. — Bei heftig brennenden Schmerzen im Magen und den Eingeweiden, schlimmer nach Erbrechen mit krampfartigem Schmerz im Unterleib, heftiger Durst, schwieriges Athem, Heiserkeit, schwacher, unregelmäßiger Puls, kalte, klebrige Haut, Blausein des Gesichts und der Lippen, Erbrechen und Abführen unmittelbar nach Essen und Trinken sogar des Geringfügigsten. Arsenicum und Veratrum können abwechselnd mit Erfolg gegeben werden.
Cuprum — sollte gegeben werden, wenn Erbrechen und reiswasserartige Entleerungen stattfinden, Haut kalt und schwarzgelb, Kolik, Augen eingefallen, Haut eingeschrumpft, Krämpfe in den Waden, Stimmlosigkeit, kalte, klebrige Schweiße. Bei heftigem Stechen in der Seite, großer Angst und Furcht gebe Cuprum und Acidum hydrocyanicum abwechselnd, alle 10 bis 15 Minuten einen Theelöffel voll.