Scarlatina Maligna. — Diese Krankheit ist sehr gefährlich. Die Symptome sind ungefähr dieselben, wie bei der vorhergehenden Form, nur nähern sie sich bald denen des Typhoid und verursachen große Schwäche und gänzliche Erschöpfung. Die Entzündung des Halses ist bedeutend, Geschwüre bilden sich, welche die zarten Theile des Halses zerstören können. Der Ausschlag zeigt sich in unregelmäßigen Flecken, verschwindet zuweilen und kommt wieder. Die Drüsen des Nackens sind sehr geschwollen und die Nasenhöhlen verstopft und angeschwollen. Eine scharfe und brennende Absonderung aus der Nase und dem Halse macht die Lippen sowie die Nase wund. Die Zunge ist trocken und hat eine dunkle mahagoniholzartige Farbe. Der Puls ist schwach und die Hitze der Haut unter dem normalen Stand.
Das Aussehen der Zunge ist bei Scharlachfieber eigenthümlich. Beim Beginn der Krankheit ist sie mit einer dicken, rahmartigen Lage bedeckt und die Kanten sind von einer dunkelrothen Farbe; nach den ersten zwei oder drei Tagen reinigt sie sich und gleicht jetzt einem Stück rohen Fleische. Gewisse Krankheiten, die zuweilen einem Anfall von Scharlachfieber folgen, sind fast eben so gefährlich, als das Fieber selbst. Hierher gehören die Entzündung des Inneren des Ohres, von welchem eine eiterartige Absonderung stattfindet und die den Kranken vollständig taub machen kann, scrophulöses Anschwellen der Nackendrüsen, chronische Entzündung der Augen. Die am meisten zu befürchtende Folge ist die Wassersucht, die entweder den ganzen Körper oder nur den Kopf und die Brust befallen kann. Gewöhnlich wird sie durch eine Erkältung während der Wiedergenesung hervorgerufen, und es kann daher nicht genug Sorgfalt während der Hautabschuppung beobachtet werden. Dieser Abschnitt der Genesung ist der gefährlichste der ganzen Krankheit, denn während die Eltern meinen, daß das Kind wieder gesund wird, lassen sie in ihrer Wachsamkeit nach, indem sie dem Kinde gestatten, in ein kaltes Zimmer zu gehen, das Feuer abgehen lassen und sich noch anderer grober Sorglosigkeiten schuldig machen. In Folge einer solchen Krankheit wird der Kranke hinfällig, matt, fieberisch und schlaflos. Die Haut ist trocken und heiß, die Abschuppung stellt sich ein, das Gesicht schwillt an, bald dehnt sich dieses Anschwellen auf Hände und Füße und schließlich auf den ganzen Körper aus. Wenn auch der Anfall von Scharlachfieber nur ein leichter war, so sollte doch dem Kranken nicht gestattet werden, sein Bett vor dem fünfzehnten Tage und das Haus nicht vor vier Wochen, vom Beginn der Krankheit an, zu verlassen. Sein Leben kann von der genauen Befolgung dieser Regel abhängen.
Ursachen. — Scharlachfieber kann durch Ansteckung fortgepflanzt werden, oder auch als eine Epidemie herrschen. Dr. Hood empfiehlt in seinem Werk über das „Scharlachfieber“, die Kleider mit Chlorsalz zu tränken und sie auf Stühle in dem Zimmer eines an dieser Krankheit Leidenden zu hängen. Dies zerstört die Ansteckungskraft und die Gefahr der Ausbreitung dieser Krankheit ist weit geringer, als es andrerseits der Fall sein würde.
Behandlung.
Allgemeine. Die milderen Formen dieser Krankheit erfordern nur geringe Behandlung. Man halte den Kranken in einem gut gelüfteten Zimmer, setze ihn auf schmale Kost und wasche die Oberfläche des Körpers gelegentlich mit lauwarmem Wasser, wenn die Hitze der Haut groß ist. Einige Aerzte empfehlen anstatt der Waschung mit lauwarmem Wasser eine Einreibung mit Nierenfett sehr. Dr. West sagt in seinem Buche „über Krankheiten der Kinder,“ daß er dieses Mittel mit großem Erfolg angewendet habe. Es entfernt jene stechende Hitze weit erfolgreicher als das Wasser, macht die Haut geschmeidig und braucht nicht mehr als zweimal innerhalb 24 Stunden wiederholt zu werden. Die Einreibung besteht aus folgendem: Man nehme Talg oder fetten Speck und reibe damit den Kranken vom Kopf bis zum Fuß, ausgenommen das Gesicht und die Kopfhaut, Morgens und Abends. Anstatt des Speckes empfiehlt Dr. Meigs in seinem „Krankheiten der Kinder“ folgende Salbe:
| Glycerin | 1 | Drachme. |
| Salbe von Rosenwasser | 1 | Unze. |
Diese Einreibung sollte sofort nach dem Erkennen der Krankheit angewendet und während dem ganzen Verlaufe fortgesetzt werden. Während der Genesung, oder wenn sich die Haut abschuppt, wende sie des Morgens an, gebe dem Kinde ein warmes Bad am Abend und reibe es gut mit einem weichen Handtuche ab.
Nasse kalte Wasserumschläge sollten um den Hals, wenn er böse und entzündet ist, gemacht werden. Der Umschlag muß immer nach einigen Augenblicken entfernt werden, bis sich der Hals bessert. Anstatt der Einreibung wasche die Oberfläche mit einer schwachen Auflösung des Saleratus oder Laugenwasser, was den Reiz vermindern wird. Im Falle der Ausschlag plötzlich verschwindet und es ist augenscheinlich, daß er sich nach Innen geschlagen hat, empfiehlt Dr. Mundle die Behandlung vermittelst der Wasserkur, als ein ausgezeichnetes Mittel, und zwar wie folgt: Im Falle, daß das Scharlachfieber plötzlich nach Innen schlägt, muß der Kranke am ganzen Körper mit kaltem Wasser gewaschen werden, und falls Krampf erfolgt, muß kaltes Wasser in größerer Menge über ihn gegossen werden, bis der Krampf aufhört, dann wird er in wollene Decken, ohne abgetrocknet oder abgerieben worden zu sein, gewickelt, und muß soviel als möglich kaltes Wasser trinken. In den meisten Fällen tritt Schweiß ein, der Ausschlag erscheint wieder und der Kranke ist gerettet.
Die gehörige Regelung der Kost ist ein wesentlicher Bestandtheil der Behandlung. In der Regel zeigt der Kranke kein besonderes Verlangen nach Nahrung, besonders wenn das Fieber seinen Höhepunkt erreicht hat. Wünscht aber der Kranke etwas zu genießen, so gebe man ihm Reismehl- oder Pfeilwurzschleim, Tapioca, Farina, Wasser von geröstetem Brod, Eiswasser oder Flachssamenthee. Ein sehr erfrischender Trank wird dadurch hergestellt, daß man dem kalten Wasser Erdbeeren-, Himbeeren- oder anderen Fruchtsyrup hinzufügt. Wenn die Lippen und Zähne mit einem Schorf oder einer Kruste bedeckt werden, entferne man sie vermittelst warmer Milch oder warmen Wassers. Wird er besser und die Genesung schreitet vorwärts, so kann Haferschleim, geröstete Milchschnitten (milk toast) und sehr leichte Fleischbrühe gestattet werden. Wenn die Verdauung gut ist, erlaube man Suppen, zartes, leicht verdauliches Fleisch u. s. w. In Betreff der Kost kann nie genug Sorgfalt beobachtet werden. Beklagt sich der Kranke laut, daß ihm nicht hinreichend Nahrung zu Theil wird, so willfahre seinem Ansuchen nicht.
Es ist von äußerster Wichtigkeit, daß ihm nicht erlaubt werde, zu früh auszugehen oder sich auf irgend eine Weise der kalten Luft auszusetzen. Es ist sehr zuträglich, wenn noch eine lange Zeit nach dem Anfall unmittelbar auf der Haut Flanell getragen wird.