Als ein Schutzmittel gegen das Scharlachfieber wird von den Aerzten aller Schulen Belladonna empfohlen. Seine Vorzüge wurden zuerst durch Hahnemann, den Gründer der homöopathischen Schule, bekannt. Es ist außer allem Zweifel, daß dies die Kraft, gegen die Krankheit zu schützen oder doch den Anfall bedeutend zu verringern, besitzt. Die beste Form, dasselbe zu nehmen, ist das homöopathische Kügelchen, von welchem man vier einmal des Tages durch mehrere Wochen hindurch, oder so lange als man der Krankheit ausgesetzt sein mag, einnimmt. Kann man diese Form nicht haben, nehme man einen Tropfen von der Tinctur ein Tag um den andern. Wenn dies Alles einen Anfall nicht verhüten sollte, so wird es ihn doch sicherlich weit gelinder machen.
Homöopathisch. Bei Behandlung dieser Krankheit ist das wichtigste Mittel Belladonna. Es wird in allen Formen und Stadien gegeben, bei der einfachen Form wird schon diese eine genügen. Die Symptome, welche es erfordern, sind folgende: Trockenes, brennendes Fieber, schneller Puls, großer Durst, trockene, rothe oder weißbelegte Zunge, Hals und Drüsen entzündet und geschwollen, erschwertes Schlucken, Schlagen der Halsadern, Gesicht heiß, roth und aufgedunsen, Schwindel, Vollsein und Druck im Kopf, mit stechenden Schmerzen, welche durch Bewegung erhöht werden, Appetitlosigkeit, Uebelkeit und Erbrechen, heftigen Husten, trockene, brennende Hitze der Haut, das Auffahren aus dem Schlaf, große Erregtheit und Umsichschlagen, Scharlach-Ausschlag auf dem Gesicht und ganzen Körper. Bei heftigen Anfällen kann Belladonna alle Stunden einmal gegeben werden, bis sich die Symptome bessern. Bei milderen Fällen alle 2 bis 3 Stunden eine Dosis.
Wenn das Fieber stark, der Puls schnell und voll, die Haut trocken und der Kopf heiß ist und große Erregtheit sich kund gibt, so gebe Aconitum abwechselnd mit Belladonna alle Stunden. Tritt unter dieser Behandlung während des Tages Besserung ein und die Symptome wachsen zur Nachtzeit zur Ruhe- und Schlaflosigkeit, so gebe man Coffea und Belladonna abwechselnd alle Stunden, bis der Kranke ruhiger wird.
Ist große Schläfrigkeit und Hin- und Herwerfen vorhanden, die Zunge sehr trocken, Anschwellen der Drüsen des Nackens, die Haut im Gesicht glänzend, der Kopf nach rückwärts geworfen und fast beständiges Delirium, so gebe man Rhus toxicodendron und Belladonna abwechselnd alle Stunden.
Mercurius und Belladonna mögen alle Stunden abwechselnd gegeben werden, wenn die Mandeln schwürig werden, die Drüsen des Nackens anschwellen, eine große Menge von Speichel aus dem Munde läuft und übelriechender Athem vorhanden ist. Tritt innerhalb 12 Stunden keine Besserung ein, gebe man Acidum Nitri ebenso wie Mercurius. Werden aber, nachdem man 6 bis 8 Stunden Acidum Nitri gegeben hat, die Symptome schlimmer und die Speichelabsonderung immer unerträglicher, gebe man Arsenicum und Lachesis alle Stunden eine Dosis abwechselnd bis der Kranke besser wird. Opium mag gegeben werden, wenn das Athmen in Schnarchen übergeht, bei Auffahren oder beständigem Delirium; das Gesicht aufgeschwollen und roth, brennende Hitze der Haut — mit oder ohne Schweiß.
Schlägt der Ausschlag zurück und die Haut nimmt eine dunkelbläuliche Farbe an, abwechselnd Bryonia und Belladonna alle halbe Stunden. Gewährt dies keine Erleichterung, so gebe man Ipecacuanha oder Camphor.
Sulphur ist ein schätzenswerthes Mittel und sollte (gelegentlich eine Dosis) gegeben werden, wenn sich die Haut abzuschuppen beginnt. Wenn die Symptome, welche Belladonna erfordern, nach Einnahme dieser Arznei nicht nachlassen, so gebe gelegentlich eine Dosis Sulphur.
Zeigen sich die Symptome der Bräune (Croup), so gebe man Aconitum und Hepar sulphuris abwechselnd, alle Stunden eine Dosis.
Gegen Ohrenschmerzen nach Scharlachfieber reiche man Pulsatilla alle ein oder zwei Stunden eine Dosis, der Strenge der Symptome angemessen. Gewährt dies keine Erleichterung, so gebe man Belladonna und Hepar Sulphuris abwechselnd.
Gegen Ohrenfluß (Otorrhœa) gebe man Pulsatilla alle 6 Stunden eine Dosis, drei oder vier Tage lang; wenn es darauf nicht besser wird, gebe man Calcarea oder Silicea in derselben Weise. Zeigt das Kind nach der Krankheit Symptome von Wassersucht des Gehirns (heißen Kopf, kalte Endglieder, Schlaf mit halboffenen Augen, Erbrechen bei Bewegung), so gebe man Bryonia und Helleborus abwechselnd, alle zwei Stunden, bis sich die Symptome bessern.