Unter dem Ausdruck „Uebergangszeit oder kritische Periode“ versteht man das Aufhören der Menstruation. Dieses tritt gewöhnlich zwischen dem 40. und 50. Lebensjahre ein, obgleich es in einigen Fällen auch schon in den dreißiger und in anderen erst mit den sechziger Lebensjahren stattfinden mag. Gewöhnlich aber zeigt sich die Lebensveränderung um das 45. Lebensjahr. Die Symptome sind je nach der Körperorganisation der betreffenden Frau verschieden. Bei manchen äußert sich das Aufhören der Menstruation durch verringerte Menge des Blutausflusses, bei andern dadurch, daß es länger als gewöhnlich ansteht, bis die Periode wieder eintritt. Eine Frau mag in dieser Zeit weiter nichts fühlen als einen zeitweiligen Blutandrang nach dem Kopfe und Kopfweh. Bei andern aber zeigen sich ernstliche Symptome, welche die Behandlung eines geschickten Arztes erfordern. Den in dieser Lebensperiode sich äußernden körperlichen Uebelständen sollte gehörige Aufmerksamkeit geschenkt werden, und man darf sich nicht damit beruhigen, daß dieselben eben vom Aufhören der Menstruation herrühren und von selbst gehoben würden, sobald der kritische Zeitpunkt überstanden sei; denn in dieser Zeit mögen bedeutende Krankheiten verursacht werden, welche der Frau das Leben zur Zeit der Qual machen, während sie andernfalls sich eines glücklichen Alters hätte erfreuen können. Während der Uebergangszeit wird die Gesundheit der meisten Frauen mehr oder weniger gestört sein; aber zu sagen, was und wo das vorhandene Uebel sei, dies ist manchmal unmöglich, und man gewahrt eben nur Unwohlsein. Folgendes sind die Symptome, die zu Tage treten mögen:

Symptome. Kopfweh, Schwindel, Gallsucht, saurer Magen, Unverdaulichkeit, Diarrhöe, Hartleibigkeit, Hämorrhoiden, Jucken der Geschlechtsteile, Krämpfe und Kolik im Unterleib, Herzklopfen, Anschwellen der Gliedmaßen und des Unterleibes, Schmerz im Rücken, den Lenden, Blässe und Schwäche.

Behandlung.

Allgemeine. Man sei im Essen und Trinken mäßig und schlafe in geräumigen, gut ausgelüfteten Zimmern, genieße keine Stimulanten, bewege sich täglich in der frischen Luft, entweder durch Gehen oder Reiten, vermeide heftige Gemüthsbewegung und das sich nasser und stürmischer Witterung Aussetzen, nasse Füsse &c.

Eclectische und Kräuterkur. Gegen Schwindel und Kopfschmerz gebe das zusammengesetzte Jalappen-Pulver (Compound powder of jalap) oder das zusammengesetzte Leptandrin-Pulver (Compound powder of leptandrin).

Homöopathisch. Die am meisten zu benützenden Mittel sind Pulsatilla, Lachesis, Bryonia, Cocculus, Ignatia und Sulphur. Gewöhnlich kann die Behandlung mit Pulsatilla und Lachesis begonnen werden. Man verordne 1 Dosis (6 Kügelchen) von Pulsatilla vier Tage lang; sodann höre mit Medizingeben vier Tage lang auf und darnach gebe Lachesis in derselben Weise. Werden die Symptome schwächer, so gebe keine Medizin, so lange sich die Patientin auf der Besserung befindet. Bryonia giebt man, wenn Blutandrang nach dem Kopf, Schwindel &c. vorhanden sind, und Ignatia, wenn die Patientin erregt und nervös ist.

Allöopathisch. Halte den Stuhlgang regelmäßig mit folgendem offen:

Mercurial-Pillen 1 Gran.
Brechwurz-Pulver (Ipecac powder) ½
Zusammengesetzte Rhabarber-Pillen (Compound rhubarb pill) 3 Grane.

Mische dieses und bereite eine Pille daraus und nimm solche jeden Abend.