Man sagt, dass die Katzenmütter ihre Jungen mit Genuss zur Welt bringen — — aber es sind auch nur arme blinde Kätzlein. So mag der Wochen­plauderer der Buxtehuder Zeitung, mag der Textdichter von „Berlin bei Nacht“ mit Genuss seine Zeilen zu Papier bringen — — ein Kunstwerk ist nie ohne Schmerzen geboren worden.

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Ich bin hinausgegangen. Durch den mächtigen Palast des fünften römischen Kaisers

deutscher Nation, der den Namen Karl führte. Quer durch den gewaltigen Säulenhof. Hinauf durch die lange Allee weissblühender Akazien, durch die Wiesen, die viele tausend blauer Iris tragen. Den Turm der Prinzessinnen liess ich mir aufschliessen, wo einst die Sultantöchter Zayda, Zorayda und Zorahayda am Fenster der gefangenen Christenritter Lieder belauschten.

Ich schau über das Tal auf den Hügel, von dem Boabdil beim Scheiden seinen letzten Seufzer dem verlorenen Granada sandte. Ich blicke auf den Garten des Generalife, deutlich sehe ich die vielhundertjährigen Zypressen, unter deren Schatten des letzten Maurenkönigs Frau — Hamet, dem schönsten der Abenceragen das unheilbringende Stelldichein gab.

— Hier erzählt jeder Stein eine trübe, verklungene Sage — —

Tief unten im Tal geht der Weg, der weit hinauf zur Totenstatt führt. Ein paar schwarze Ziegen weiden an den grünen Abhängen; hinten, unter dem Turm der Gefangenen, sitzt ein zerlumpter Zollwächter vor seiner schmutzigen

Höhle. Langohrige Kaninchen grasen um ihn herum, sieben Hähne, zum nahen Kampfe schon der Kämme und Schwanzfedern beraubt, picken im Boden oder fliegen aufeinander. Und weit im Osten glüht purpurrot der Schnee der wilden Sierra Nevada —

Ein Trupp zerlumpter Bengels zieht durch das Tal. Zwei tragen einen kleinen Kindersarg auf den Schultern, offen nach spanischer Sitte; ein anderer schultert den Deckel. Der Sarg ist sehr einfach, drei gelbe Bretter und zwei Brettchen. Aber drinnen liegen Blumen, viele Blumen, rote, gelbe und weisse und blaue Blumen, unter denen das wachsbleiche Köpfchen in schwarzem Haar hervorschaut. Kein Priester, keine Verwandten, nicht einmal Vater und Mutter im Zuge; sechs zerlumpte Bengels — —

Doch zwischen so vielen bunten Blumen ruht das tote Kind, in solch frischem, blühendem Dufte. Wie gut, dass man ihm die Augen nicht schloss! Nun schaut es heraus, neugierig aus den bunten Blumen, hinauf zu dem alten, maurischen Königsschloss. So zufrieden blickt es heraus aus seiner bunten Pracht,