Ganz wenigen aber gelingt die Fahrt. Sie finden ein Neuland, entdecken es für die Kultur:

sie haben die Grenzen des Bewusstseins ein Stück weiter hinausgeschoben.

Die Künstler sind diese ersten Entdecker. Dann mag die Menschheit Forscherfahrten ausrüsten, um das neue Land zu vermessen und zu untersuchen: Grundbuchleute und Katasterbeamte entsenden — — — Männer der Wissenschaft.

— — Nun ist gewiss, dass — neben andern Wegen — die sogenannten Gifte, die wir Narkotika nennen, geeignet sind, uns über die Schwelle des Bewusstseins hinauszuführen. Gelingt es jemand, in diesem „Jenseits“ irgendwo festen Fuss zu fassen, das Metaphysische in etwas Positives umzuwerten, so schafft er einen neuen Kunstwert, ist, im edelsten Sinne, ein Künstler.

Vielleicht ist hier nötig, die Binsenweisheit zu betonen, dass nie natürlich von einem Schaffen im Rausche selbst die Rede sein kann?! Oder die andere, dass kein Rauschmittel der Welt aus einem Menschen etwas heraus zu holen vermag, das nicht in ihm steckt?! Die Griswolds und Ingrams mögen

noch soviel Wein trinken, noch soviel Opium rauchen, noch soviel Haschisch essen, sie werden doch nimmermehr Kunstwerte schaffen! — — Aber: der durch Narkotica bewirkte Rausch ist unter Umständen — — neben andern Ursachen — geeignet, irgendwann später eine Ekstase hervorzurufen. Und: in dieser Ekstase leistet jeder Mensch das Höchste, was seine Intelligenz überhaupt zu leisten imstande ist.

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Der Griswold hatte recht: Edgar Allan Poe trank. Und da — wie bei uns allen — sein Leib verhältnismässig schlecht auf die Vergiftung des Alkohols reagierte, abgestumpft war durch die Trinkgewohnheiten von Generationen von Vorfahren, so trank er viel. Er soff. — Aber er tat das mit Absicht, tat es, um in den Rauschzustand zu kommen, aus dem heraus er — später, vielleicht Jahre später — neue Kunstwerte schaffen konnte. Solch ein Rausch ist kein Genuss, er ist eine entsetzliche Qual, die bewusst nur der ersehnt, dem das

Kainszeichen der Kunst von der Stirne flammt.

— Gibt es eine schmählichere Lüge als die der Banausen: „Künstlerisches Schaffen ist keine Arbeit; es ist eine Freude!?“ Der das sagte, und die grosse Masse, die es gedankenlos nachplappert, haben nie einen Hauch der Ekstase verspürt, die allein künstlerisches Schaffen bedingt. Und diese Ekstase ist immer eine Qual, selbst dann, wenn — in seltenen Fällen — der Grund, der sie hervorrief, ein Genuss war.