Und so sagte sie’s.

Martha saß bei ihr, hatte ihre beiden Hände genommen, unterbrach nicht, fragte nicht. Und als Helene zu Ende kam, hastend bald, bald stockend, unter heißen Tränen, da küßte sie ihr die von den Wangen. Hielt die Bebende sanft umschlungen und sagte leise: „Es ist kein Menschenherz, dem nicht Kampf beschieden wurde. Auch du wirst darüber hinfortkommen, liebe Lene. Es ist gut, daß du nun heimgekehrt bist.“

„Ich war so leichtgläubig! Ich war so leichtsinnig!“

„Du hast an ihn geglaubt, denn du hast ihn geliebt. Schilt dich nicht, Helene. Deine Liebe entsühnt dich ... Und nun gebe dir der liebe Gott Ruhe für dein armes Herz. Hier im Elternhause!“

Als Helene am nächsten Morgen erwachte, staunte sie: wie hatte sie nur so fest und gut schlafen können!

Wie eine Fremde sah sie sich im Zimmer um. Das war also das enge Zimmerchen, aus dem sie hinausgeflüchtet war, vor drei Monaten erst, in das sie nun wieder zurückflüchtete.

Der große Kachelofen bullerte bereits; ganz leise mußte die Trine in der Frühe geheizt haben. Durch die blaugestärkten steifen Gardinen brach die Morgensonne. Drüben stand der schmale, hohe Kleiderschrank aus Birkenholz, hüben der kleine Waschtisch mit gehäkelten Spitzen und am Fenster ihr winziger, birkener Mädchenschreibtisch mit den geschweiften Füßen. Alles wie ehedem. Gerade, als ob das Zimmerchen nur auf sie gewartet hätte.

Dann glitt ihr Blick die Wand entlang. Und da fiel er drüben auf eine eingerahmte Perlenstickerei. Richtig — das war ja die Arbeit der verstorbenen Tante Melanie. Merkwürdig, in all den Jahren, in denen sie das Zimmer als ihr kleines, eigenstes Heiligtum betrachtet, hatte sie diese kunstvolle Perlenstickerei eigentlich gar nicht beachtet. Sie wußte nicht einmal mehr, wie der Spruch lautete, der da in bunten Perlen auf weißem Seidengrund stand. Nie hatte sie ihn bewußt gelesen.

Nun las sie:

„Im Lieben wohnt Betrüben