Es war wohl Zufall, daß Helene Hackentin und Merivaux ein wenig zurückblieben.

Aber als Helene das fröhliche Kichern und Raunen da vorn hörte, in das sich manchmal Onkel Ernst mit einer seiner, im leisen Hofton vorgebrachten drolligen Bemerkungen mischte, überkam auch sie etwas wie Übermut. Eine jugendliche, unbezwingbare Lust, den Neuchateller ein wenig aus seiner Verschlossenheit herauszuwerfen.

„Sie sind heute wirklich gar nicht nett, Herr von Merivaux —“ sagte sie schmollend.

Er zuckte zusammen, wie aus einem Traum aufgestört.

„Wodurch ’ab ich mir die Ungnad zugezogen?“ fragte er dann.

„Der einzige waren Sie, der mir kein Wort über meinen Gesang gesagt hat ...“

Da sah er sie voll an: „Legten Sie Wert darauf, gnädiges Fräulein?“

Eine leichte Verlegenheit mußte sie doch überwinden: „Ich würde es sonst nicht bemerkt haben ...“ Helene wollte die Worte ein wenig kokett herausbringen, aber es gelang ihr nicht recht. Sie klangen ziemlich ernst. Und sie fügte schnell hinzu: „Schon deshalb muß ich Wert auf Ihr Urteil legen, weil Sie der einzige hier sind, der wirkliches Verständnis für Musik hat.“

„Sie vergessen mindestens unseren kleinen Studenten.“

„Nein, nein! Herr Rose hat, wie wohl alles, auch sein Klavierspiel nur durch eisernen Fleiß errungen. Musik aber muß man fühlen.“