Sagt sicher ihr: wie schön war’s da!

Doch wünschen wir, die hier vereint,

Daß euch die Sonn’ noch heller scheint,

Daß ihr seid wieder übers Jahr

Ein glückumstrahltes Ehepaar!“

„Der Junge, der Junge!“ Wilhelm hatte sich in einen Sessel fallen lassen und klatschte in die Hände: „Was sagst du dazu, Martha? Na, Mamachen, das hat er sicher von dir!“

Gaston hatte Hans rechts und links einen festen Kuß auf die roten Wangen gedrückt. Er war gerührt und wiederholte immer aufs neue: „Scharmant — scharmant! Nicht wahr, Helene? Scharmant: ‚Daß ihr seid übers Jahr — ein glückumstrahltes Ehepaar.‘“

„Ja, Gaston“, sagte Helene leise. Und nahm Hansens Kopf zwischen ihre beiden Hände: „Du guter Junge ... ich danke dir ...“

Omama hatte, während Hans sein Poem deklamierte, aufgemerkt, und, die Lippen bewegend, still mitskandiert; einmal den Kopf geschüttelt, dann so lebhaft zustimmend genickt, daß die schwarzen Schläfenlocken weit vornüberfielen. Nun wollte sie aufstehen. Martha sprang hinzu, stützte sie. So ging sie langsam um den Tisch herum, legte dem Enkel ihre Hand auf den Scheitel, machte vor dem Brautpaar einen kleinen graziösen Knix, und es schien, als wollte auch sie irgendein eigenes Verslein sprechen. Aber sie fand wohl die Worte nicht, murmelte ein Weniges, was niemand recht verstehen konnte, und sagte dann endlich: „Ja ... ja ... ihr Kinder ... übers Jahr ... ein glückumstrahltes Ehepaar ...“ — —

Am Neujahrstag war Helene in der Garnisonkirche gewesen, auf Merivaux’ besonderen Wunsch, denn sonst ging sie meist mit Martha zu Büchsel in die Matthäikirche. Aber Gaston wollte, daß sie einmal Strauß predigen hören sollte — und Gaston selber war heut in die Garnisonkirche kommandiert. Sie hatten sich freilich nur flüchtig begrüßen können. Aber er hatte ihr doch nach dem Gottesdienst vor der Tür die Hand geküßt, und sie hatte ihm dann noch nachgeschaut, während er seine Gardeschützen die Alte Friedrichstraße heraufführte, zurück zur Kaserne.