Es war eine Fügung. Alles ist Fügung, muß als Fügung genommen werden.
Das Herz wurde ruhiger. Eine stille Ergebung kam über sie. Leise sprach sie vor sich hin: ‚Ich hab ihn gern ... ich möchte ihn recht liebhaben. Ich will immer gut zu ihm sein. Immer gut und dankbar für seine große Liebe ...‘
Sie sah geradeaus zum Fenster, hinter dem es nun hell geworden war. Ein einzelner Sonnenstrahl kam. Schmal nur, aber goldig leuchtend glitt er ins Zimmer, bis zu ihr hin, wie der erste Gruß des jungen Tages. Ihres Hochzeitstages.
Nur ein kleiner Kreis war bei der Feier zugegen. Gastons Vater war durch die Sperrung der süddeutschen Bahnen am Kommen verhindert. Er war nur bis Basel gelangt und konnte nur von dort aus telegraphisch seine Glück- und Segenswünsche senden. Aber daß ein anderer sich unter den wenigen Gästen befand, rührte Helene tief. Der alte Heckstein war von Frankfurt aus mit der Extrapost gekommen. Sie sah ihn erst, als sie am Arm ihres Mannes aus der Kirche schritt. Unter Tränen lächelte er ihr zu: „Leneken, ich mußte dir doch für unser ganzes Rohlbeck die Glückwünsche bringen. Gottes Segen sei mit dir und mit deinem Mann.“
Eine stille blasse Braut war sie. Doch laut und fest hatte ihr Ja durch das Gotteshaus geklungen.
Als sie aus der Kirche traten, sah Gaston sie glücklich an: „Meine Helene! Wie danke ich dir.“
Und als der kleine Kreis dann bei dem einfachen Festmahl saß, das Martha gerüstet hatte, sagte Tante Oschitz leise zu Wilhelm: „Daß Helene schön ist, hab ich immer gewußt. Daß sie so schön aussehen könnte wie heut mit dem Myrtenkranz — das hätt’ ich doch nicht geglaubt. Wenn mein armer lieber Harro sie so gesehen hätte.“
Ruhig und rührend sanft erschien Helene.
Nur als Gaston ihr ein leises Zeichen gab, zuckte sie ein wenig zusammen. Aber sie erhob sich sofort.
Gaston hatte das mit Wilhelms besprochen: „Ich muß heut abend in das Kantonnement zurück. Laßt sie mir ein paar kurze Stunden und macht kein Aufhebens, wenn wir aufbrechen.“