Die Schlacht bei Königgrätz war geschlagen. Das tapfere österreichische Heer im vollen Rückzug.

Und fast zugleich trafen die ersten Verlustlisten ein. Vereinzelte Zeitungsnachrichten zuerst, vereinzelte Anzeigen der Regimenter, und dann, dann die große Liste, Truppenteil an Truppenteil, Name an Name gereiht. Lang, endlos lang war sie und trug die Trauer über das jubelnde Land.

Auf den Bahnhöfen kamen die ersten Verwundeten an. In die hellen Sommerkleider auf den Straßen mischte sich das Schwarz. Neben die siegesfrohen Gesichter traten die tränendurchfurchten.

Wieder wie achtzehnhundertvierundsechzig ging Martha an den Leinenschrank, saß und zupfte Scharpie, Fädchen auf Fädchen. Und Helene saß dabei, die Linnenstreifen in der untätigen Hand, zwang sich, geduldig zu scheinen und ruhig, und bebte doch in harrender Erregung. Dann brachten die Jungens Zeitungsblätter, und sie durchflog Spalte um Spalte mit fiebrigen Augen. Wilhelm kam von vergeblichen Erkundigungsgängen heim, war selber beunruhigt; auch um Fritz, der bei den Fünfunddreißigern mitgekämpft hatte. Schlecht und ungeschickt verbarg er die eigene Sorge.

Es konnte ja nur ein gutes Anzeichen sein, daß keine Nachricht da war. Ja, doch! Ja, doch! Es konnte —

Man muß Geduld haben. Es geht Zehntausenden nicht anders als uns. Ja, doch! Ja, doch! Aber sie härmen sich auch wie wir —

„Du mußt bedenken, liebe Helene, wie schlecht die Verbindungen in solchen Tagen sind.“ — „Ja, doch — ja, doch —“

Dann schellte es draußen im Flur. Der Briefträger —

Und wieder, wieder brachte er keine Nachricht. Drucksachen, Umschläge mit gleichgültigen Geschäftsadressen — keinen Feldpostbrief!

Der dritte, der vierte Tag, nachdem die Geschütze mit donnerndem Salut den großen Sieg gekündet — und keine Nachricht!