Da kannst du sehen, was dem Jakob bevorsteht. Nimm dich also in acht! Und nun ziehen wir zum Skraamoor und baden. Hoi—ho!

Mit lautem Juchhei und Geschrei stiegen sie wieder die Anhöhe hinauf; aber oben sahen sie sich noch einmal um und blickten einander doch etwas unsicher an, als sie Sidsel noch immer unbeweglich auf demselben Fleck stehen sahen, mit großen Tränen in den Augen.

Sidsel fühlte sich ganz elend und erbärmlich, wie sie dortstand. Ganz gewiß wollte sie keinen Anlaß dazu geben, daß ihr Jakob Prügel bekam; wenn sie nur eine Ahnung gehabt hätte, wo sie nicht hingehen durfte; aber weder wußte sie, wo der Pegefels, noch wo das Skraamoor war. Sie konnte nur ihrer Herde folgen und im übrigen sehen, wie es ging.

Als sie eine gute Weile später auf eine Anhöhe hinaufkam, hörte sie die Schellen von neuem. Ihr wurde ganz angst, und sie fing an, ihre Herde nach einer andern Richtung zu jagen; als sie sich aber nach einer Weile umsah, bemerkte sie weit, weit unten im Moorgrund zwei weiße Körper, die herumsprangen und tollten und im Sonnenschein rund um einen kleinen, blitzenden Teich Purzelbäume schlugen.

Also hatten die beiden ihre Herden verloren!

Da mußte sie sich wohl der Tiere annehmen und sie solange hüten. Deswegen konnten sie ihr doch nicht böse werden; denn sie wußte, daß einem Hirten keine größere Schande widerfahren konnte, als seine Herde zu verlieren. Und das wäre denn doch eine zu große Schande, wenn so große Burschen ohne ihre Herden nach der Sennhütte heimkehrten.

Sie nahm sich also der Tiere an, und ab und zu lief sie auf die Anhöhe hinauf, um zu sehen, ob die Burschen nicht bald fertig wären, es sah aber so aus, als hätten sie über dem Baden alles andere vergessen.

Endlich sah sie, wie die beiden plötzlich in ihrem Tollen anhielten, aufhorchten und nach allen Richtungen ausspähten. Darauf bekamen sie auf einmal Eile, fuhren in die Kleider und sprangen von dannen, nach einer ganz andern Richtung hin. Plötzlich blieben sie stehen, lauschten und liefen dann wieder. Es war so weit weg, daß es nichts genützt hätte, zu juchheien und zu rufen. Nun liefen sie auf eine Anhöhe jenseits des Moors hinauf und spähten lange nach allen Richtungen hin aus.

Dann liefen sie wieder, was sie konnten, zurück in der Richtung auf das Moor zu — dasselbe Ergebnis! — nahmen darauf die Richtung unten längs der Anhöhe, wo sie stand; aber das Vieh weidete auf der andern Seite des Hanges, deshalb konnten sie die Schellen auch jetzt noch nicht hören.

Da wagte Sidsel endlich zu juchheien, aber allzu schwach; sie versuchte es noch einmal und lauter.