„Da klingelt es,“ unterbrach sich die Mutter, „hier, Käthe, ich habe mir alles notirt, was die Majorin sich zu heute Abend leihen will — gieb es einmal heraus!“

Käthe nahm mit einem ironischen „weiter nichts?“ das Verzeichniß in Empfang, und ging hinaus, eben, als der Vater zur andern Thür hereintrat.

„Er kommt wieder nicht!“ sagte er resignirt, „ich werde jetzt ausgehen! Hausbesitzer sein ist ein Vergnügen.“

„Ja, ja, er kommt,“ beschwichtigte seine Frau, „eben klingelt es — da ist er schon!“

Richtig — so verhielt es sich! Herr Baron von Rabeneck erschien mit einer tadellosen Verbeugung auf der Schwelle. Er war ein mittelgroßer, schlanker Mann, mit sehr vorsichtig frisirtem, dunkelblondem Scheitel, mit kurzsichtigen Augen, die er stets etwas einkniff, mit einem parfümirten Taschentuch, und einem kornblumenblauen Schlips.

„Ganz ergebensten guten Tag, meine Herrschaften,“ sagte er eintretend, „Sie sind beim Kaffee? lassen Sie sich nicht stören! Trinken Sie immer hier Kaffee?“

„Ja,“ sagte der Hausherr etwas kurz. Seine Frau, der die Fragepassion des Barons, und die kurze Geduld ihres Mannes schon bekannt war, wollte mit einer Gegenfrage dazwischen kommen, aber der Baron ließ sich nicht so leicht beirren. „Ich trinke auch Kaffee,“ fuhr er fort, „sehr gesundes Getränk? Was? Trinken Sie auch Kaffee, Frau Doktorin?“

„Ja,“ sagte der Doktor gereizt, „meine Frau trinkt Kaffee — meine Tochter auch, meine ganze Familie trinkt Kaffee!“

Die Hausfrau mischte sich ins Gespräch. „Sie wollten unser leeres Quartier sehen, Herr Baron?“

„Ja,“ erwiderte der Neuangekommene behaglich, „ich sah heute bei meinem Morgenspaziergang, den ich immer durch diese Straße mache — hübsche Straße, was? — daß hier ein Miethszettel hängt — wollte doch mal nachfragen. Erster Stock, was?“