„Mein liebes Käthchen — nein, wie reizend steht Ihnen die neue Frisur! Wie haben Sie sich bei Ihrer Freundin amüsirt? Ich bitte eben bei Mamachen vor, ob Sie uns heute Abend nicht besuchen wollen — ich habe eine kleine Ueberraschung in petto! Nicht wahr, Sie kommen doch? Ich schrieb noch neulich an meinen Sohn: „eine Gesellschaft ohne Käthchen ist mir gar nicht denkbar — sie ist so belebend!“
Käthe, die bis zu diesem letzten Satz sehr freundlich ausgesehen hatte, machte eine ungeduldige Bewegung und zog die Hand fort.
„Nun muß ich aber gehen, liebe Frau Doktorin,“ sagte die Majorin eilfertig, „also Ihre Anna bringt nachher alles mit herauf, nicht wahr?“
Damit ging sie, und die Doktorin blieb mit Käthe allein. Sie legte ihrer Tochter die Hände auf die Schultern und sah ihr forschend ins Gesicht. „Käthe, warum bist du nur wieder so unfreundlich gegen die gute Majorin?“
„Weil sie mich nicht mit ihrem langweiligen Sohn in Frieden läßt!“ erwiderte Käthe unartig.
Die Doktorin schüttelte den Kopf.
„So laß sie doch — für die Pläne der Mutter kann der Sohn nichts — und außerdem — Käthe, wäre es denn nicht sehr hübsch, wenn etwas daraus würde? Eine andere Neigung hast du nicht“ —
Käthe mußte wohl an der Tischdecke gezupft haben, denn der Schlüsselkorb fiel zur Erde, und sie mußte die Schlüssel aufheben, wozu sie eine ganze Weile brauchte und sehr roth wieder zum Vorschein kam — vom Bücken jedenfalls!
„Und der junge Scharff soll ein vortrefflicher, höchst gescheidter Mann sein,“ fuhr die Mutter fort, „thu mir wenigstens den Gefallen, dich nicht von vornherein gegen ihn einzunehmen! Seine Briefe haben dir ja immer so gut gefallen!“
Käthe schwieg hartnäckig.