„Nemesis!“ dachte ich und gab ihm, um es kurz zu machen, ein Geldstück, worauf er den Hund wieder wie ein Bündel Lumpen ergriff und mit einem höhnischen Kratzfuß das Feld räumte.
Im Laufe des Nachmittags erschienen noch zwei Frauen und ein großer schurkischer Junge, die Alle Hunde brachten — der Junge sogar einen weißen! — und die mit Jammern und Grobheiten Futterkosten, Wartegeld und wer weiß was sonst noch von mir erpreßten. Aber der Abend sollte mich für diese Mühsal belohnen.
Ich saß in dem hübschen Garten drüben bei meinen neuen Freunden, und wir plauderten so gemüthlich, als kennten wir uns schon seit langer Zeit.
Dann ging Sophie in den Gartensaal und sang uns ein Lied; der Vater sah vergnügt dazu aus — und ich — nun ich war auch ganz befriedigt von meiner Lage. Aber Eins wußte ich schon an diesem Abend ganz genau, daß meine Bekanntschaft mit Sophie nicht umsonst durch einen Ring angefangen hatte — wenn es nach mir ging, sollten noch mehr Ringe in unseren gegenseitigen Beziehungen eine Rolle spielen. Also, es geht manchmal schnell mit solchem Entschluß, wie dies Beispiel zeigt!
Den nächsten Tag verbrachte ich wieder fast ganz im Hause des Justizraths, wir hatten sogar eine Art Verwandtschaft aufgestöbert, die zwischen einer Großmutter meiner Stieftante und einem Onkel des Justizraths bestanden haben konnte — ich hatte also gewissermaßen ein Recht, dort zu sein!
Nun, und es traf sich so, daß ich am dritten Abend mit Sophie und der Tante im Gartensaal saß und die Letztere abgerufen wurde.
Jetzt, werden Sie denken, hätte ich meinen schnell erblühten Gefühlen gleich Worte gegeben? O nein, so von selber ging das nicht! Ich mußte noch gehörig durch die Traufe.
Wir saßen in etwas stockender, verlegener Unterhaltung zusammen, wie das so leicht kommt, wenn man mehr zu sagen wüßte, als recht angehen will — da stürzt freudeglühenden Antlitzes die Magd des Hauses herein.
„Na, Fräulein Sophie, Sie werden sich aber freuen! Ich bin in Ihrer Stube und nähe und da fällt mir der Fingerhut auf die Erde und kollert unter den großen Schrank. Ich hole mir den Johann und wir rücken den Schrank etwas beiseite und was finde ich? — Ihren Ring, den Sie so gesucht haben!“
Prosit die Mahlzeit!