Lottchen wandte den Kopf und sah ihn an; es lag etwas so kindlich Vertrauendes in diesem Blicke, daß er ihm ins Herz schnitt.

„Sie seufzen so schwer?“ sagte sie, halb lächelnd.

„Ich denke wieder einmal an die Zukunft,“ erwiderte er ernster, als er noch heut gesprochen.

„So lassen Sie doch Ihre Zukunft!“ rief sie munter, „sie wird schon von selbst kommen, und ändern können Sie doch nichts daran!“

„Das frage ich mich eben!“ gab er immer noch ernst zurück, „ich stehe vor einem Wendepunkte in meinem Leben, Fräulein Lottchen, und das habe ich heut den ganzen Tag zu wenig bedacht!“

Er sah, daß seine Worte einen leichten Schatten auf ihr frohes Gesichtchen riefen, der ihm einen neuen Reiz verlieh, aber einen Reiz wehmüthiger Natur. Er fuhr hastig fort:

„Wir sind bald am Ziel unserer gemeinsamen Fahrt, wer weiß, ob wir uns noch einmal wieder treffen! Lassen Sie mich eine Bitte aussprechen, ehe ich gehe!“

Sie war ganz blaß und still geworden und nickte seinen Worten nur stumm Gewährung.

„Ich sagte Ihnen schon, daß ich vor einer Wendung meines Geschickes stehe, vielleicht entscheidet der heutige Abend noch über jene Zukunft, an die ich vorhin dachte — wollen Sie mir nicht Glück auf meinen Weg wünschen?“

Seine Stimme war leise und innig bei diesen Worten, er beugte sich zu ihr und nahm ihre Hand, zum ersten — vielleicht zum letzten Mal!