„Ich bitte sehr, mein gnädiges Fräulein — ich lese mir vor! —“ Er blätterte weiter.
„Hier — ein anderes! „Als ich zum erstenmal dich sah, verstummten meine Worte.“ Stimmt! Also ist es schon mehr Leuten so gegangen. Der hat am Ende auch mit dem Dampfroß zu thun gehabt!“
Käthe, die sich inzwischen gesetzt hatte, stützte den Kopf in die Hand und las, als sollte sie zu morgen eine Aufgabe lernen.
„Hier ist ja noch ein sehr schönes Gedicht,“ sagte der Hauptmann, „immer schmollen, immer grollen, für ein’ Ros’ wär’s zu viel Dorn! Und nun lassen Sie uns zur Prosa übergehen,“ fuhr er plötzlich ernsthaft fort und nahm neben Käthe Platz, „bitte, sehen Sie ruhig weiter in Ihr Buch — ich werde ein gleiches thun — und nun,“ er senkte die Stimme —, „warum sind Sie eigentlich böse auf mich?“
„Woraus schließen Sie, daß ich böse bin?“ fragte Käthe etwas unsicher.
„Nun, mein gnädiges Fräulein, wenn das bei Ihnen gut heißt, dann möchte ich Sie allerdings einmal sehen, wenn Sie böse sind! Ich bin zwar nicht an übertrieben freundliche Behandlung von Ihnen gewöhnt — denken Sie nur an Station —“
„Lassen Sie doch endlich die alte Geschichte ruhen!“ rief Käthe und erröthete tief.
„Sie ist noch gar nicht alt, noch nicht sechsunddreißig Stunden — aber ich will sie begraben — klaftertief — wenn Sie mir Rede und Antwort stehen. Wollen Sie das? Sonst wird die Geschichte, die alte Geschichte, wie Sie sie ungerechter Weise nennen, als Gespenst solange vor Ihnen auftauchen —“
„Hören Sie auf,“ unterbrach ihn Käthe, wider Willen lachend, „was soll ich denn antworten?“
„Das will ich Ihnen gleich sagen — also, was habe ich Ihnen zu Leide gethan?“