Käthe nickte.
„Aber Sie sind wirklich höchst ungerecht,“ rief der Hauptmann ungeduldig, „woher sollte ich denn in der Eisenbahn wissen, daß Sie und die viel beschriebene Käthe ein und dieselbe sind? Nun sagen Sie einmal selbst, daß ich es nicht wissen konnte!“
„Ja ja!“ gab Käthe zögernd zu.
„Nun gut — also darin bin ich gerechtfertigt! Aber selbst, wenn ich Sie gekannt hätte — ich gestehe Ihnen offen, daß ich auch dann noch kein Verbrechen begangen zu haben glaubte! — es steckt wohl noch etwas Anderes dahinter! Nicht wahr?“ drängte er, als sie schwieg und tief erröthend zu Boden blickte.
„Aber in aller Welt, so geben Sie mir doch wenigstens die Möglichkeit, mich zu vertheidigen,“ rief er fast heftig, „mein gnädiges Fräulein — Fräulein Käthe — wir waren doch so gute Freunde unterwegs — waren wir das nicht? Sehen Sie — Sie nicken ja! nun seien Sie einmal recht vernünftig und sagen Sie mir, was ich Ihnen gethan habe!“
„Was haben Sie denn zu Ihrer Mutter gesagt, ehe ich kam?“ fragte Käthe trotzig und blickte auf.
Er sah sie erst zweifelhaft an, dann lachte er — aber etwas verlegen. „Ich kann mir denken, wer Sie instruirt hat! Soll ich Ihnen das Gespräch erzählen?“ fragte er in sonderbar weichem Ton, und bückte sich, um ihr in die Augen zu sehen. „Ja oder nein?“
„Ja!“ sagte sie hastig und leise — ihr Herz fing an, heftig zu klopfen.
„Nun denn — ich sagte meiner Mutter, daß ich nicht Lust hätte, hier irgend ein junges Mädchen kennen zu lernen, — heiße sie Käthe oder sonst wie — weil — nein, sehen Sie mich einmal an, Fräulein Käthe — weil ich mich unterwegs in der Eisenbahn, wie ein Student verliebt hätte — in eine Unbekannte, — und wenn nun ein freundlicher, lieber, guter Zufall es so gefügt hat, daß diese Unbekannte diejenige ist, die meine Mutter — Gott segne meine Mutter — schon lange für mich ausgesucht hat —“
Ein blendend heller Lichtstrahl fiel in die Stube, „es ist angerichtet,“ rief der Lohndiener mit Stentorstimme.