Der Flügel wurde zugeklappt, Stühle gerückt, die Whistspielenden warfen die Karten zusammen — man ging zum Abendessen.
Käthe war bei dem Eintreten des Lohndieners schnell wie der Blitz vom Sofa fort und zu den Herren am Spieltisch geeilt. Dafür hatte sie nun ihre Strafe! Der Justizrath reichte ihr den Arm, um sie zum Souper zu führen.
Die Anordnung der Plätze bot noch einige Schwierigkeiten — die Majorin hatte aus Versehen für zwei Personen zu wenig decken lassen, und diese beiden Uebriggebliebenen standen nun ziemlich verlegen hinter den besetzten Stühlen der anderen.
Während noch schnell nach den fehlenden Tellern, Messern und Gabeln zu Doktors hinaufgeschickt wurde, kroch der Major unter allen Sofas und Schränken umher, um die Tischzettel zu suchen, deren einige ihm verloren gegangen waren. Bei der etwas genialen Hausordnung konnte es geschehen, daß er von seiner Entdeckungstour bestaubt, wie alter Ungarwein zurückkam, und nicht einmal fand, was er suchte.
Der Hauptmann hatte es nicht mehr möglich machen können, sich Käthe zu nähern, die schon seit zehn Minuten wartend Arm in Arm mit dem Justizrath stand — eine Situation, die zu den allerpeinlichsten gehört, und die die wenigsten Leute den Verstand haben, dadurch zu coupiren, daß sie die Dame bis zum geeigneten Moment loslassen.
So fiel denn dem Hauptmann Leontine zu, an deren anderer Seite der Baron Platz nahm. Käthe saß schräg gegenüber; sie sprach kaum ein Wort und sah nicht in die Höhe, so sehr der Hauptmann sich bemühte, einen Blick von ihr aufzufangen.
Leontine bemerkte sein Bestreben wohl — sie gab ihn auf! Als kriegsgewandte, junge Dame änderte sie ihre Taktik sofort, und schwenkte blitzschnell zu dem Baron hinüber, der ihr von seinem Gut erzählte, und sie fragte, ob sie das Landleben liebe?
Diese Anknüpfung war vielversprechend, und Leontine schmiedete das Eisen, so lange es heiß war. Von ihrem Soldatenenthusiasmus sprang sie zur Oekonomie über, schwärmte für Stallfütterung und Rieselwiesen, und that ganz ländlich.
Im allgemeinen belebte eine zwanglose Heiterkeit den kleinen Kreis. Nur die Generalin machte eine Ausnahme, als sie bemerkte, daß der Sohn ihrer Gastgeber fahnenflüchtig wurde. Ihr seelenvolles Lächeln erfror in der schönsten Blüthe, sie war wieder ganz Würde, und der Major, der sie gebührender Weise zu Tisch geführt hatte, erntete für seine ohnehin nicht glänzenden Unterhaltungsversuche nur ein kühles „hm“ oder „ja, ja!“
Der Doktor war in bester Laune. Hatte nicht der Baron ihm soeben als „seinem liebenswürdigen Hauswirth“ zugetrunken, und um die Erlaubniß gebeten, im Lauf des folgenden Vormittags Kontrakt zu machen. „Dann soll mir aber gewiß nichts dazwischen kommen,“ gelobte sich der beglückte Vermiether innerlich, und riegelte schon im Geist alle Thüren in dem Verhandlungszimmer ab.