„Ach — ich habe wieder einmal eine meiner gewöhnlichen Dummheiten gemacht! Soll ich sie dir erzählen? aber du mußt nicht schelten?“

„Das kann ich nicht so gewiß versprechen,“ sagte die Alte, indem sie ihren reizenden Liebling mit strahlenden Augen betrachtete, „indessen fang nur an — es läßt dir ja doch keine Ruhe, ehe du gebeichtet hast.“

Käthe rückte sich auf dem Fensterbrett zurecht, und pflückte eine von den rothen Nelken von Sabinens Blumenstock.

„Nun also,“ begann sie, „ich reiste allein von Laura zurück, und auf einer kleinen Station — Siegersdorff — wo der Zug hielt, sah ich zum Coupéfenster hinaus. An der Wand des Bahnhofsgebäudes mir gegenüber steht ein Herr und sieht mich an — nicht gerade unbescheiden, aber er fixirt mich doch unverwandt. Du weißt ja, Sabine, so etwas kann ich nicht leiden, ich denke also: „sollst ihm mal die Zunge herausstecken — der Zug fährt ja sofort ab, und du siehst ihn nie wieder.“

„Aber Käthe!“ rief das Fräulein erschrocken.

„Siehst du, siehst du, daß du schiltst!“ rief Käthe, und fiel ihrer alten Freundin ungestüm um den Hals, „sei ganz still, sonst erzähle ich nicht weiter, und du hast dein Leben lang die Angst mit dir herumzutragen, daß ich etwas noch viel Schrecklicheres gethan habe, was du nicht weißt!“

Die Alte machte sich lachend los.

„Laß mich nur — ich bin ja schon still! Also —“

„Also — in dem Augenblick, wo der Zug sich in Bewegung setzt, führe ich mein Vorhaben aus! Nur ein ganz kleines bißchen, Sabine — ich dachte schon, er hätte es nicht gesehen! — aber er lächelte spöttisch und nahm den Hut ab. Da fuhren wir hin.“

Fräulein Sabine schüttelte den Kopf.