„Wirst du nie deinen Uebermuth ablegen, Kind!“

Käthe zerpflückte die rothe Nelke unbarmherzig in Stücke.

„O ja, Sabine“, sagte sie dann verlegen, „aber —“

„Was aber? noch mehr solcher schöne Streiche?“

„Ach, Sabine — die Geschichte ist ja noch gar nicht zu Ende, das Schlimmste kommt nach. Also wir fuhren, aber kaum hundert Schritte weit — der Zug wurde zu meinem Entsetzen nur rangirt und rutschte nach fünf Minuten wieder in denselben Bahnhof ein. Da stand auch noch der Herr — und hatte er vorhin gelacht, so lachte er nun erst recht!“

„Angenehm!“ sagte Fräulein Sabine. „Und wie benahm er sich?“

„Er benahm sich gar nicht, sondern warf die Cigarre weg und stieg in dasselbe Coupé mit mir. Und wir fuhren mit einander bis hierher, wo er auch ausstieg!“

Käthe sprang vom Fensterbrett. „Und was sagst du jetzt?“

„Herzchen,“ erwiderte die alte Dame und lächelte gutmüthig, „was soll ich sagen? Zu geschehenen Dingen schweigt man am besten — das einzig Angenehme ist, daß du den Mann wahrscheinlich nicht wieder sehen wirst.“

Käthe sah nicht so entzückt aus, als man hätte vermuthen sollen, und streute ihre Nelkenblättchen in die Luft. „Meinst du?“