„Aber, ich sage Ihnen ja — wir hatten eben vorher von ihm gesprochen! Er steht in Rotbergen — zwei Meilen von hier — und kommt gerade den Abend her. ‚Guten Abend, Straten!‘ sage ich. Nun hätten Sie mal seine Ueberraschung sehen sollen! ‚Guten Abend, Rabeneck!‘ sagt er. ‚Nein, das ist doch sonderbar, daß ich Sie hier treffe! was machen Sie denn hier?‘ frage ich. ‚Ach, ich langweile mich so in Rotbergen, da bin ich heut hier herüber gekommen, um mal mein Glas Bier wo anders zu trinken‘, sagt er. Und nun plauderten wir von dem alten Regiment — ach, da hat sich auch viel verändert! Der Kommandeur ist weg — nach Braunschweig versetzt, mein damaliger Schwadronschef.“ —

„Ja aber, Herr Baron“, unterbrach der Doktor diese interessante Geschichte, „wenn wir vielleicht erst unseren Kontrakt machen wollten — Herr Hauptmann Scharff wünscht mich dann noch in einer anderen Angelegenheit zu sprechen.“

„Ach, Pardon! — bitte tausendmal um Entschuldigung! aber es war mir — ich dachte, es müßte den Herrn Hauptmann interessiren — es war doch ein zu sonderbares Zusammentreffen, was?“

Und der Baron lächelte vergnüglich und wiegte den Kopf hin und her über den merkwürdigen Zufall.

Während die Herren den Kontrakt durchlasen und daran herumkorrigirten, stand der Hauptmann stumm am Fenster und sah auf die Straße. „Fatal! Einmal anfangen war schon schlimm genug — aber zweimal — das ging gar nicht!“ Er biß sich zornig auf die Lippen. Und der Moment mußte gleich wieder da sein — die Feder des Doktors jagte nur so über das Papier.

Da klopfte es, und ohne das „Herein“ abzuwarten, wurde die Thür sehr weit aufgemacht. Ein Dienstmädchen mit einem großen Tablet erschien, auf dem Porzellan, Glas, Silber und andere Geräthschaften sauber aufgestapelt waren. Sie setzte ihre Bürde auf den Tisch, und begann, ohne auf die Herren besondere Rücksicht zu nehmen: „Eine Empfehlung von der Frau Majorin, und sie schickt die Sachen wieder.“

„Still!“ rief der Doktor mit furchtbarer Stimme — er hatte sich verschrieben, und das haßte er!

„Und die Frau Doktorin ist draußen nicht zu finden, da mußte ich alles hier herein bringen“, fuhr das Mädchen unbeirrt fort.

Der Doktor schrieb.

„Wollen Sie mir nicht die Sachen abnehmen, Herr Doktor?“ fragte das Mädchen, „ich muß dafür stehen, daß nichts fehlt.“