„Rufen Sie Fräulein Käthe“, sagte der Doktor, ohne den Kopf zu wenden.
„Die will nicht hereinkommen“, erwiderte die unerschütterliche Magd.
„Hinaus!“ rief jetzt der Hauptmann donnernd, und wandte sich um. Dieses Wort hatte die Wirkung eines Sprenggeschosses — die Botin flog davon, und ward nicht mehr gesehn.
„So!“ sagte der Doktor aufathmend und erhob sich — „ich habe unterzeichnet — wollen Sie nun auch noch die Güte haben, Herr Baron?“
Der Angeredete hustete und sah etwas verlegen aus.
„Ich hätte noch eine Bitte, verehrter Herr Doktor, ehe ich unterschreibe. — Sie wissen, eine Wohnung ist eine wichtige Frage, — man muß doch einmal drin wohnen — und — kurzum, ich möchte mir das Quartier noch ein letztes Mal ansehen — so einen Ueberblick, wie mein Papa immer zu sagen pflegte. ‚Chlodwig, verschaffe dir immer einen Ueberblick‘, hat er unzählige Male zu mir gesagt! Dürfte ich um diese Gunst bitten?“
Der Doktor pfiff leise — aber er faßte sich, und die Herren schickten sich an, das Quartier zu besichtigen.
Den Hauptmann rührte bei dieser neuen Verzögerung seiner Aussprache fast der Schlag! Hätte ihm ein Gott gegeben, zu weinen, so hätte er geweint! Er trommelte den Dessauer Marsch im rasendsten Tempo auf der Fensterscheibe — er nahm ein Buch vom Tisch und fing an zu lesen — obwohl er für sein Leben nicht zu sagen gewußt hätte, was er las.
Nachdem einige Zeit — für den Hauptmann eine halbe Ewigkeit — verstrichen war, traten die Herren wieder ein. Der Baron sah sehr bekümmert aus und zog sich einen Handschuh an.
Der Doktor stellte sich an das zweite Fenster und wippte mit dem Fuß hörbar auf und nieder — er war offenbar schwer gereizt.