Die Kirschendame sah geschmeichelt aus und bot Karl von ihrem Pfefferkuchen an.
„Herren essen zwar so etwas nicht gern,“ bemerkte sie.
„Aus so schönen Händen,“ erwiderte Karl, der schon merkte, daß diese Waare hier guten Absatz fände.
„O, bitte,“ erwiderte sein vis-à-vis erfreut.
Fränzchen sah unbeweglich zum Fenster hinaus. Das war zu stark, daß Karl noch nicht vierundzwanzig Stunden nach dem betrübenden Vorfall in ihrer Gegenwart so harmlos lustig sein und dieser kleinen, unternehmenden Person schöne Redensarten machen konnte! Sie war sehr erbittert und durfte sich doch nicht verrathen!
Drüben ging indeß die Unterhaltung unermüdlich fort, die kleine Dame lachte über Karl’s Einfälle, die meist mehr durch Vortrag als durch Neuheit glänzten, — sie lachte so laut und herzlich, daß sie sich die Augen trocknen mußte. Karl hatte aber heute lauter selbstische Zwecke im Auge, — erstens wollte er Fränzchen ärgern und sodann sein vis-à-vis günstig stimmen, damit sie ihm das Rauchen erlaubte. Bescheiden brachte er die Anfrage vor.
„Bitte, rauchen Sie,“ sagte seine gemüthliche neue Freundin, „wenn es die andere Dame nicht genirt?“
Karl wandte sich mit einer verbindlichen Bewegung an Fränzchen, mit gezücktem Streichholz.
„Ich bedaure sehr,“ erwiderte sie in eiskaltem Ton, „das Rauchen macht mir Kopfweh.“
Das war aber unrichtig, wie Karl genau wußte. Schwer geärgert über diese Ungefälligkeit, vergaß er die gebotene Vorsicht.