Die kleine Dame begann sofort in fieberhafter Angst ihren Hut, ihre Schachteln und ihren Pfefferkuchen zu erfassen und mit einem bedeutungsvollen: „Glückliche Weiterreise, meine Herrschaften!“ verließ sie den Wagen und taumelte in die Arme einer großen Familie, die sie erwartet hatte.
Langsam setzte sich der Zug wieder in Bewegung. Karl sah nun seinerseits zum Fenster hinaus.
„Nur sich nichts vergeben!“ dachte er.
Ein zaghaftes „Karl!“ veranlaßte ihn, sich umzuwenden.
„Karl, willst du nicht deine Cigarre anzünden?“
„Du bist sehr freundlich,“ sagte er kurz, und bald schwebten die blauen Dampfwolken zum Fenster hinaus über die grünen Felder.
Mehrere Minuten vergingen, — Karl überlegte, was er wohl jetzt sagen sollte, — er beschloß, dem Mädchen seine Launenhaftigkeit ernstlich zu Gemüth zu führen, — und während er sich diese Worte in Gedanken zurechtlegte, störte ihn ein leises Schluchzen.
Er schielte vorsichtig herum und sah Fränzchen mit dem Tuch vor dem Gesicht, in Thränen aufgelöst, in der Ecke lehnen. Da schmolz sein ohnehin nicht sehr hartes Herz und mit einem Satz war er neben ihr. Zu einer leidenschaftlichen Liebeserklärung hatte Karl gar kein Talent, — und so mögen unsere Leserinnen verzeihen, daß er sich seinem Charakter gemäß ausdrückte.
„Aber sage mir einmal, Fränzchen, wozu machst du nun dir und mir das Leben schwer? Wärst du vernünftig gewesen und hättest gestern Abend ‚Ja‘ gesagt, wie du doch meinst, — nein, sei still, ich weiß es ganz gut, — da säßen wir heute als glückliches Brautpaar in Eurer Wohnstube und Abends führen wir mit dem Vater zu mir heraus und du sähest dir die blaue Tapete an, die du ja selber ausgesucht hast.“
Sie lachte unter Thränen und schüttelte den Kopf.