„Seien Sie nicht toll, Erting, ich schieße mich nicht mit Ihnen!“

„Weshalb? weil Sie der Stärkere sind? Ich will keine Schonung!“

„Nein, einmal, weil wir keine Secundanten und keinen Arzt zur Stelle haben, von einem Duell also keine Rede sein kann, sodann aber, weil Sie mit Schießgewehr nicht umzugehen wissen, und ich kein Vergnügen daran finde, einen Wehrlosen niederzuschießen.“

„Wenn Sie Vergnügen daran finden, einen Wehrlosen durch Ihre Leute knebeln und fortschleppen zu lassen, so ist das reichlich eben so feige!“

„Erting, nehmen Sie sich in Acht,“ rief Rüdiger, auf dessen Stirn eine unheilverkündende, düstre Röthe erschien, „ich dulde heute Viel von Ihnen, weil Sie der Beleidigte sind, aber nicht Alles!“

„Sie wollen sich nicht mit mir schießen?“ schrie Erting mit fast erstickter Stimme, als der Andere sich abwendete, und im Begriff stand, das Zimmer zu verlassen.

„Nein!“ erwiderte Rüdiger kurz, er fühlte, daß er keine Silbe mehr sagen durfte, ohne in Zorn auszubrechen.

„Wer hat die Schonungsparole ausgegeben?“ fuhr Erting, sinnlos vor Wuth, fort, „Edith, ich sehe jetzt klar, sie war doch jedenfalls im Complott, als es galt, den unbequemen Bräutigam fortzuschaffen!“

„Genug!“ sagte Rüdiger todtenbleich und fest, „Sie haben einen Namen in unseren Streit hineingezogen, der es mir unmöglich macht, Ihnen noch ferner Genugthuung zu verweigern, ich werde die nöthigen Anordnungen treffen. Erwarten Sie mich hier, Sie haben es so gewollt!“

Er verließ das Zimmer, und Erting blieb allein zurück, in einem Tumult von Empfindungen, der ihm fast den Verstand zu rauben drohte. Ueberwiegend war immer noch die furchtbarste Wuth und Entrüstung, die aber in der Voraussicht, seinen Rachedurst kühlen zu können, ja zu müssen, bereits nachzulassen begann.