Er lächelte flüchtig und streckte Erting die Hand hin. Dieser nahm sie nicht, und sah ihn zornig verwundert an.

„Es ist Usus so, oder ähnlich,“ sagte Rüdiger freundlich, „aber wie Sie wollen!“

Die beiden Gegner nahmen Aufstellung, der Diener hatte das Zimmer wieder verlassen.

„Ich denke, wir schießen a tempo,“ sagte Rüdiger, noch immer in einem Ton, wie im Ballsaal, „zählen Sie, Strauch, bis drei!“

Fast gleichzeitig ertönte der scharfe Knall der Pistolen, Rüdigers Kugel zischte etwa handbreit über Ertings Kopf fort und schlug in die Wand. Als sich die blauen Rauchwolken langsam verzogen, sah der vor Aufregung halb sinnverwirrte Erting Rüdiger schwanken, oder glaubte es zu sehen. Im nächsten Augenblick hatte sich der Baron aufgerichtet, und trat auf Erting zu, ihm die linke Hand bietend.

„Bravo, Erting, Sie haben sich die Sporen verdient, — und nun zürnen Sie mir nicht mehr, ich habe eine ganz hübsche Lehre bekommen!“

Erting starrte mit weitgeöffneten Augen auf seinen Gegner, dessen rechter Arm schlaff und regungslos herabhing, und von dem das Blut dicht und schnell niederrieselte und in dem Streifen Mondlicht am Fußboden unheimlich aufglänzte. Rüdigers bleiches Gesicht und die finster zusammengezogenen Augenbrauen verriethen, daß er heftige Schmerzen fühlte. Seine Stimme hatte nichts von ihrem übermüthigen Klange verloren.

Aber bei den letzten Worten ging es wie ein Schleier über seine Züge, und der Förster hatte eben noch Zeit, den ohnmächtig Zurücksinkenden aufzufangen.

Jetzt erst fand Erting Sprache und Bewegung wieder.

„Großer Gott, ich habe ihn gemordet!“ schrie er auf, und warf sich neben seinem bleichen Feinde nieder.