Sie legte ihre Erwartung ineinander.
Als die ersten Hyazinthen blühten, brachte sie brennend rote Stöcke herein. Die Sonne zitterte blaß, wie eben genesen, durchs Zimmer und trug den kranken Duft der Blumen an sich. Durch dieses Spalier üppiger Blüten und spitzer Sonne lief der Weg, den Christianus zu den Menschen ging.
Die Sonne machte ihn hell. Alles strahlte an ihm. Er begegnete Maria und lächelte; ging durch viele Zimmer, kam ihr wieder entgegen und lächelte wieder.
Nur, daß er nicht jeden der Freunde einzeln begrüßen sollte — er fühlte sich so gemeinsam mit jedem einzelnen, fühlte die Hände in jedes einzelnen Händen, den Kopf jedes einzelnen Kopf ganz nahe — nur, daß er warten sollte, bis alle versammelt wären und dann — dies dann lag matt, zog ihn nicht, lag ihm entgegen.
Aber es mußte auch so gehen. Gewiß, Maria hatte recht. Es würde auf ihre Art sogar noch besser gehen.
Er wendete sich wieder in ein Nebenzimmer, wandelte hindurch, bog um Ecken, Türen, lief durch Zimmerfluchten, Gänge — seltsam! — es war hell, warm, fast heiß, und es war gar kein Geschrei da, und doch schrie — nein, es war unendlich leise, fern und verloren — schrie es — Flucht; er sah sich um: war er diese Gänge nicht schon einmal gegangen? Nur war etwas Fertiges, Ausgemachtes an ihnen: als wäre alles fest geworden. Er versuchte, sich zu entsetzen, und es gelang ihm nicht — Flucht; er bog um Ecken, hob sich durch Türen — Fahnenflucht; bewegte sich vorüber an hundert mitziehenden Wänden: Fahnenflucht.
Ach, das war ein Wort, von Menschen gefunden, die nicht seines Sinnes waren. Von dem Sinn, der ihn über die Menschen hob, lag dies Wort so weit ab wie ein kleines Sandkorn, das ein Engel, aufsteigend, vom Fuß fallen läßt. Für seinen Sinn gab es kein Wort. Aber für das, was er getan hatte, gab es ein Wort: jenes. Liegt denn etwas zwischen dem Sinn, in dem eine Tat getan wird, und dem Sinn, in dem sie betrachtet wird? Ja: die Tat selber. Die Tat ist das Urteil. Aber ich kann das Urteil, das nur meinen Fuß streift, beiseitetreten.
Es klirrt, klingt zu seinen Füßen; das Haus hat sich geöffnet: die Menschen kommen.
Der Gedanke läuft aus und reißt wie ein dünn ausgezogener Glasfaden ab; das Hirn tropft zusammen zu einem Klumpen Menschen.
Aus dieser Menge stellt er sich einzeln vor: hier diesen, dort jenen; hebt ihn auf, betrachtet ihn, sieht ihm in die Augen: oh! überall glänzt dieses selbe frohe Auferstehungslächeln, in tausend Augen leuchtet es, Laute, unerhörte, läuten von Herzen zu Herzen hinüber, herüber; er breitet die Arme, zieht alle an sich, nahe, näher; er ist ganz erfüllt von ihnen.