Sie traten zusammen und versprachen sich ihr Gelöbnis in die Hand.

In diesem Augenblick glitt die Sonne, die rückwärts und rückwärts gewichen war, von Christianus ab. Sie hoben die Augen auf und sahen ihn nicht. Langsam entgraute er dem Dämmer; seine Augen standen glanzlos vor dem Gemäuer; er sah verstorben aus.

Es ging etwas wie die Scheu vor einem Toten durchs Zimmer; mit kalten Schultern drängte sich die Menge und bewegte sich hinaus; es wurde leer; leerer: das Zimmer war leer.

Plötzlich fühlte er den Boden zu seinen Füßen in die Tiefe stürzen, sah ihn drüben gegen die Wand sich langsam heben und hoch an die Wand gelehnt Maria. Die Kehle hell — uneinhaltsam hört er ihre hohe Stimme — Heinrich? fragen — das Kinn nachlässig verachtend gereckt, den Blick abfällig auf ihn gesetzt, stand sie ihm gegenüber.

Er hob die Arme auf, und so verwilderten seine Gebärden an der Luft, in der sie stand, daß sie wie Flammen gegen sie auszuschlagen schienen; er schrie, und immer wachsend, verfingen sich die Schreie in hohen Anrufungen, und angreifend: Mein Gott! Mein Gott! weinend, sank er in sich zusammen.

So verfallen, fühlte er seine Füße plötzlich umrafft von zwei Armen. Er sah sich wundernd um und fand es natürlich, daß der Boden ringsum sich steifte, aber seltsam, daß die weite Fläche leer war. Wo er noch eben über einer andringenden Flut aufgebraust war, kreiste Leere, Öde, nichts als dies sanfte, umwogende Plätschern der Arme, dies Geringe, dem er sich nicht entziehen konnte.

Er sah nieder zu dem Weibe: „So allein, Marie!“

Da öffnete sich unter ihm ein Blick voll Tränen; er beugte sich nieder und hob sie auf.

Sie schloß unter seinen Griffen die Augen und schauderte zusammen.

Ihm war wohl dabei; es schien ihm, als sei alles recht so, überaus gerecht; er faßte mit zärtlich gestreckten Fingern — Mariens Kopf ruhte in seiner Hand, ihr Leib auf seinem Arm — nach den langen, weichen Wimpern ihrer Lider — nicht, als ob er sie zurückstreifen, gewaltsam öffnen wollte: es war ihm, als streichelte er über einen Traum hin.