„Laß!“ bat er. „Laß, Liebe!“
Langsam schlug sie die Lider zurück, warf aber den Kopf beiseite; er bog sich nach und über sie; das Weiß ihres Auges spreizte sich ihm entgegen; Duft und Hauch von Mund und Haar verwuchsen; unter dem Schatten seiner Stirn blühte ihr Auge, das volle Dunkel inmitten auf; ihre Sinne gingen ineinander.
Die Lockerungen und Eröffnungen dieser Stunde nahm Gott von Natur als eine Gelegenheit, aus der Entfernung näher zu treten.
Christianus bemerkte die väterliche Gegenwart durchaus nicht sofort.
Er wandelte unbekümmert im hellen Mittag und verlachte sich, als ihm war, als ob ihn eine fremde Stimme gerufen hätte.
„Du bleibst? Und wie lange?“ hatte die Stimme gefragt.
Er wandte sich um und erschrak heftig.
Es war niemand im Zimmer als Maria. Halb saß, halb lag sie auf einem Diwan, und von den heißen Wänden strahlte viel Licht in die großen Falten ihres Kleides. Es war wirklich außer ihr niemand zu sehen. Aber im Hintergrund ihrer unheimlich gebauschten Hüllen, im Schutz ihrer weitgesetzten Gliedmaßen, über denen die sonst liebreich sprießende Brust zusammengeschrumpft schien, verbarg sich, erwartete ihn etwas. Er hatte vorübergehend die Empfindung, als stellte sich ihm gegenüber im Schatten des Begreiflichen etwas der weißen Gestalt Ähnliches, Unbeherrschbares, Zwingendes auf; er wagte nicht zu atmen und geriet über dem Gedanken, zum ersten Mal vor der weißen Gestalt Angst empfunden zu haben, in wachsende Angst.
Marie sah ihn mit einem unverwandten Lachen an.
Er fragte erschüttert: „Ist jemand hier, Marie? Oder warst du das, der das sagte?“